Der unerschrockene Kampf von Asterix an der Fernpassroute gegen die fossilen Invasoren

Dankbar bin ich heute der „Bürgerinitiative Lebensraum Gurgltal Außerfern Mieminger Plateau“. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen haben sie die Fernpass-Straße an zwei neuralgischen Punkten durch eine ordnungsgemäß angemeldete Kundgebung blockiert. Es ist kein gewöhnlicher Samstag. Es hätte ein Samstag mit Kolonnenverkehr und Staus auf der Strecke von Nord nach Süd werden können. Die Täler hätten wieder – wie jeden Tag im Sommer – überrollt werden können vom Massenverkehr. Es ist der Tag, an dem die Ferien in zwei der bevölkerungsreichsten Bundesländer in Deutschland beginnen und sich Hunderttausende auf die Straßen machen. Während der Kundgebung in Nassereith und des Demozugs Richtung Fernsteinsee, wo eine der beiden Hauptveranstaltungen abgehalten wird – eine andere ist auf der anderen Seite des Fernpasses im Außerfern – , drängt sich mir die Metapher von den tapferen Galliern auf, die den römischen Besatzungstruppen mit List, Mut und Zauberkraft widerstehen konnten. Ganz Tirol ist besetzt von den Hunderttausenden Fahrzeugen, die entlang der Transitrouten täglich Lärm, Dreck, Gestank hinterlassen. Jährlich werden es noch mehr. Die Antwort der Autofahrerclubs, der Frächterlobbys, der herrschenden konservativen Politik lautet bisher: Damit der Verkehr noch besser fließen kann, müssen die Straßen noch besser ausgebaut werden. Genau darum geht es auch bei dem Fernpasspaket der gegenwärtigen Regierung. Zwei neue Tunnelröhren sollen gebaut werden. 600 Millionen sind für dieses Fernpasspaket geplant. Die schwarz-rote Landesregierung Tirols steht dahinter. Dagegen sind aber die Menschen vor Ort, die jetzt schon die Belastungen durch den Verkehr kaum mehr aushalten und zurecht befürchten, dass ein Straßenausbau noch mehr Verkehr nach sich zöge. Schon jetzt sind es jährlich 5,5 Millionen Transitfahrten am Fernpass. Das bedeutet: Lärm, Unfälle, Verkehrsbehinderungen für die ansässige Bevölkerung, Verlust von Lebensqualität, vergiftete Felder durch Reifen- und Bremsabrieb, Mikroplastik und Schwermetalle, die in Böden, in das Wasser und Lungen gelangen. Die Gegner des Fernpasspakets und des Ausbaus der Fernpassstraße mit breiten, dreispurigen Tunnels befürchten vor allem auch, dass das bisherige Limit von 7,5 Tonnen für den Lkw-Verkehr entlang der Fernpassroute fallen könnte. Angesichts der katastrophalen Folgen des Klimawandels, die diesen Sommer mit Hitzewellen, Dürren, Waldbränden, schmelzenden Gletschern und auftauendem Permafrost so sichtbar werden, bräuchte es ein radikales Umdenken. Der Landeshauptmann erscheint mir in dieser Situation wie ein Julius Cäsar, der rote Verkehrslandesrat wie ein römischer Beamter, die nicht auf der Seite der tapferen Gallier stehen. Die Vertreter der Landesregierung sind nicht am Podium und bekommen dafür eine Abwesenheitsmedaille. Am Podium findet sich jedoch jene FPÖ-Landtagsabgeordnete, deren Nähe zu rechtsradikalen Kreisen in den letzten Jahren immer wieder thematisiert wurde. Das ist freilich nicht meine Kritikpunkt an ihrem heutigen Statement. Sie ist letztlich Vertreterin jener Partei, die stets gegen alle Maßnahmen einer Verminderung von Verkehrsbelastungen eintritt, die sich gegen Tempolimits stellt und die Parole hochhält „freie Fahrt für freie Bürger“, die für eine Abschaffung von Maßnahmen wie CO-2-Bepreisung ist und prinzipiell den Klimawandel leugnet. Wie kann die Abgeordnete Gudrun Kofler nur dann vollmundig gegen das Fernpasspaket sein und zugleich Aushängeschild einer Partei, die sich populistisch den Interessen der Autofahrenden viel mehr verpflichtet fühlt als den Interessen jener Menschen, die sich an diesem Samstag beiderseits der Fernpass-Straße auf die Straße stellen?

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