Klimakatastrophe, Aufrüstung und Kriege: Über die verheerenden Klimafolgen des Militärs

Spürbare Folgen der Erderhitzung und Klimaveränderung

Der Sommer 2026 hat mehr als jeder Sommer zuvor die katastrophalen Folgen des menschengemachten „Klimawandels“ in Europa spürbar gemacht mit Hitzewellen und Dürre, mit Wassermangel und brennenden Wäldern, mit schmelzenden Gletschern und einem Auftauen des Permafrosts, mit Ernteausfällen und Notschlachtungen, mit enormen gesundheitlichen Schäden, mit weiterem Verlust an Biodiversität und einem Leiden auch in der Tierwelt. All dies wurde von der Wissenschaft längst vorausgesagt. Die Kipppunkte sind erreicht. Die Worst-Case-Szenarien sind zugleich noch übertroffen worden. Heute warnt die Wissenschaft davor, dass bis 2050 die globale Klimaerwärmung zu einem durchschnittlich 3,5-Grad-Plus führen könnte.

Zugleich scheut sich die herrschende Politik, wirklich effiziente Maßnahmen zu setzen, die zu einer radikalen Reduktion von Treibhausgasemissionen führen könnten, zugleich scheint die Masse der Menschen die Zeichen der Zeit zu ignorieren und keine Änderungen im eigenen Lebensstil vorzunehmen, der mit einem hohen ökologischen Fußabdruck verknüpft ist. Der Anfang August veröffentlichte Verkehrsbericht des Landes Tirol zeigt weitere deutliche Steigerungen im Verkehrsaufkommen auf allen Straßen. Die Regierenden beschließen lieber Spritpreisbremsen, statt dringend notwendige Sofortmaßnahmen wie Tempolimits, Verkehrsbeschränkungen für Transit-Lkws oder Aufhebung des Dieselprivilegs.

Militär als Klimafaktor wird verborgen und verschwiegen

Über die Klimakatastrophe wird zum Glück vermehrt in Talkshows und Podcast-Produktionen geredet oder in vielen Artikeln geschrieben. Eine Frage jedoch wird kaum thematisiert. Was bedeuten Aufrüstung und Kriegsgeschehen angesichts der spürbaren Klimakatastrophe? In dem 3000-Seiten dicken IPCC-Bericht wird die Bedeutung des militärisch-industriellen Komplexes in der Klimafrage nur sechs Mal kurz erwähnt.  Traditionell finden im Sommer immer die Politikgespräche mit führenden Politikerinnen und Politikern statt. Die Grünen-Chefin Leonore Gewessler mahnte zwar zum Klimaschutz, zugleich kritisierte sich nicht die geplanten Aufrüstungsschritte in Österreich. Ähnlich dann die Argumentation der Parteichefin der Neos. Das Militär scheint auch in Österreich wie eine „heilige Kuh“, die nicht infrage gestellt werden darf. Dabei sind aus verschiedenen Blickwinkeln Militär und Aufrüstung enorme Beschleuniger für die Erderhitzung. Trotz Klimakrise wurden die militärisch-bedingten CO-2-Emissionen aus den nationalen Berichtspflichten über klimaschädliche Treibhausgasemissionen herausgenommen. Militär-Emissionen werden nicht deklariert. Die USA haben bereits im Kontext der Verhandlungen zum Kioto-Protokoll ausdrücklich erklärt, sie können aus Sicherheitsinteressen die Militär-Emissionen nicht bekanntgeben. Auch im Pariser Klimaabkommen oder in den verschiedenen Klimakonferenzen war der Faktor Militär kein Thema. Nationale Sicherheitsinteressen werden vorgeschoben, um Angaben von Militär-Emissionen zu verheimlichen. Um es an einem Beispiel zu sagen: Gefordert wird das Aus des Verbrenners für den privaten Automobilverkehr, aber kein Aus für die enorm dieselfressenden Panzer.

Aufrüstung und Kriege heizen das Klima an

Weltweit findet ein gigantisches Wettrüsten statt. Milliarden werden in Kampfjets, Panzer, Kriegsschiffe, Waffen und militärische Einrichtungen aller Art gesteckt. Meist sind dies jene Bereiche mit den höchsten Treibhausgasemissionen. Eine Dekarbonisierung von Panzern und Kampfjets ist undenkbar. In Europa haben die Rüstungsausgaben der einzelnen Länder um durchschnittlich 13 Prozent zugenommen. Deutschland will stärkste Militärmacht in Europa werden. Die Verteidigungsausgaben aller NATO-Staaten werden zunächst auf mindestens 2 Prozent des Nationalprodukts angehoben, sollen aber in den nächsten Jahren auf bis zu 5 Prozent steigen. In Russland wird der Verteidigungshaushalt auf ein Drittel des russischen Gesamtbudgets steigen. Auch Österreich setzt ungeachtet der Klimakrise mit dem Aufbauplan 2032+ auf noch mehr militärisches Gerät und plant mit außerbudgetären Sonderinvestitionen den Ankauf neuer Kampfjets.

Vereinzelte und kaum beachtete Studien zeigen, wie sehr Militär und Aufrüstung die Klimasituation verschärfen. Laut Conflict and Environment Observatory (CEOBS) und Scientists for Global Responsibility (SGR) machen alle Militärs zusammen schon im „Normalbetrieb“ – also exklusive der Kriegs-Emissionen – 5,5 Prozent der globalen Emissionen aus. Mittel, die in die Bewältigung der Klimakrise gesteckt werden könnten, werden in den militärischen Sektor gesteckt, der die Klimakrise verschlimmert. Das Pentagon produziert mehr Treibhausgase als die Länder Schweden oder Portugal. Wäre die Nato ein Land, stünde es im Ranking aller Staaten auf Platz 40. Wenn das Zwei-Prozent Ziel für die Nato-Länder eingeführt wird, würde der Gesamtemissionsbetrag auf 226 Millionen Tonnen CO-2 im Jahr steigen. Das entspricht einem Drittel der Treibhausgasemissionen von Deutschland.

Kriege verursachen enorme Treibhausgasemissionen. Für militärisches Gerät werden Unmengen an fossilen Rohstoffen verwendet. Zugleich zielt die Kriegsführung auf die Zerstörung von Raffinerien und Ölanlagen. Wenn diese brennen, werden riesige Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Nach dem Krieg wird der Wiederaufbau mit einem enormen Emissionsverbrauch verbunden sein.

Man könnte die Klimaschädlichkeit am Beispiel einzelner Waffengattungen sehen. Allein ein Leopard-2-Kampfpanzer verbraucht pro 100 Kilometer 530 Liter Diesel. Unvergleichlich höher ist der Emissionsausstoß bei den Kampfjets. Diese verbrennen pro Flugstunde bis zu 4850 Liter Kerosin. Der CO2-Ausstoß liegt dabei bei 12 220 Kilogramm.

Aufrüstung und Krieg stehen also im Widerspruch zu den propagierten Klimazielen. In jedem Ressort gibt es die Vorgaben, möglichst viele Emissionen einzusparen, nicht aber gilt dies für das Verteidigungsministerium.

Klimaschutz ist Abrüstung

Die Gleichung ist einfach: Wer Klimaschutz will, kann nicht zugleich aufrüsten. Wer Treibhausgasemissionen senken will, kann nicht Kampfjets und Panzer betanken. Frieden kommt nicht durch Militär und Aufrüstung, sondern diese verursachen Kriegs- und Konfliktsituationen, die sich auch aus den Folgen der Erderhitzung ergeben. Klimaschutz und Abrüstung gehören zusammen. Arbeit für Frieden und Abrüstung und Arbeit für Klimaschutz gehen Hand in Hand. Daher ist eine Politik, wie sie derzeit auch von den Grünen unterstützt wird, die sich auf der einen Seite für Klimaschutzmaßnahmen einsetzt und dann zugleich einen Aufrüstungskurs und militärische Außenpolitik rechtfertigen, nicht konsistent. Auch in kirchlichen Stellungnahmen, die zurecht die Aufrüstungsspiralen kritisieren und vor neuen Waffengängen warnen, bleibt der Zusammenhang von Militär und Klima meist unerwähnt. Anders freilich ist die Papst-Botschaft zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung am 1. September 2026. Papst Leo XIV. prangert die soziale und ökologische Zerstörung durch bewaffnete Konflikte an. Krieg hinterlasse Wunden, die weit über das Schlachtfeld hinausreichen, schreibt Leo XIV. Darüber hinaus führe das Zusammenspiel von bewaffneten Konflikten und Umweltzerstörung oft zu einem Teufelskreis, der Ökosysteme zerstöre, lebenswichtige Ressourcen wie Luft und Wasser verschmutze und die Lebensmittelversorgung gefährde, so der Papst weiter. Zugleich nennt der Papst in seinem Schreiben einmal mehr die Alternative: Die wahren Werkzeuge zur Schaffung von Frieden seien nicht Waffen der Zerstörung, sondern Wahrheit, Dialog, Geduld, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Verständnis, Fürsorge und Liebe.

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