Ordensgemeinschaften Österreich und militärische Nahebeziehungen

Verwundert war ich, als ich neulich ein Posting auf der facebook-Seite der Ordensgemeinschaften Österreich sah mit Bildern und folgendem Text: „Im Rahmen eines militärischen Festakts hat der Hochmeister des Deutschen Ordens, Frank Bayard, am 5. August die Geistliche Patronanz über das Jägerbataillon Wien 1 ‚Hoch- und Deutschmeister‘ feierlich erneuert. Die Feier war der Auftakt der Milizübung ‚Deutschmeister 26‘, die noch auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Gang ist. Die Patronanz war 1991 in Wien unter dem damaligen Hochmeister Arnold Wieland begründet worden.“

Zunächst machte ich, wie meistens nun, einen Test, um ein KI-Fake auszuschließen. Ja, eine diesbezügliche ausführliche Berichterstattung gab es auch auf der offiziellen Website der Ordensgemeinschaften sowie in der kathpress. Ich zitiere daraus einen Satz: „Beim militärischen Festakt stand Hochmeister Bayard in der Militärkirche des Lagers Kaufholz auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig einem Gottesdienst vor. In seiner Predigt betonte er, dass Soldatinnen und Soldaten nicht dazu ausgebildet würden, Kriege zu führen, sondern Frieden und Sicherheit im eigenen Land zu gewährleisten. Der Hochmeister stellte den Soldatinnen und Soldaten die Muttergottes Maria als Vorbild vor. Sie stehe für Disziplin, Loyalität und Gehorsam.

Mit den Bildern eines ehrenvoll gekleideten Abtes, der die Wimpel der militärischen Formationen segnet, der das Bild einer unterwürfigen und gehorsamen Maria bemüht – war sie nicht vielmehr Rebellin, die die Mächtigen vom Thron stürzen wollte? – einem Gottesdienst umrahmt von stramm stehenden Soldaten in Kampfuniform, Panzern in einer Kaserne auf dem größten Truppenübungsplatz Österreichs und das alles unweit eines Landes, in dem seit viereinhalb Jahren grausam, verheerend, völlig irrational gekämpft wird, wo gegenseitige Anschläge auch auf zivile Einrichtungen stattfinden und gerechtfertigt werden: wo stehst du Kirche in der Tradition des gewaltfreien Jesus?

Ich benützte die Kommentarfunktion auf der facebook-Seite. Reaktion gab es keine dazu. Meine Antwort:

„Als jemand, der in einer Ordensschule die Gymnasialzeit verbrachte – Missionsprivatgymnasium St. Rupert – und ebendort von den Patres die gewaltfreie Botschaft des Evangeliums glaubwürdig vermittelt bekam – (viele der Steyler-Missionare hatten die brutale Hand der Militärs in Lateinamerika erfahren), als jemand, der dann nach seinen friedensforschenden Studien ein Vierteljahrhundert Schülerinnen und Schüler eines Gymnasiums der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs begleiten durfte und dabei auch die klare Botschaft des Gewaltverzichts Jesu im Unterricht nicht verwässerte, erstaunt mich die unkritische Wiedergabe der Bilder. Sie vermitteln: Die Kirche segnet die Waffen – auch wenn es nur die Wimpel sind, die aber für den Waffengang stehen. Dies geschieht inmitten einer Welt der Aufrüstung, der Kriegsvorbereitungen. Die wirklich schönen Worte helfen da wenig. Alle Armeen dieser Welt argumentieren mit solch schönen Worten: Alles diene ja nur der Sicherheit eines Landes – und die russischen Popen segnen den Angriffskrieg ab. Die Ordensgemeinschaften Österreich hätten eine andere Botschaft mit anderen Bildern zu vermitteln.„

Klaus Heidegger,
Bildausschnitt aus der Website der Ordensgemeinschaften Österreich

Kommentare

  1. Dank für Ihren Kommentar. Als Österreichische Ordenskonferenz berichten wir über die Vielfalt und Breite des Ordenslebens – dazu gehören auch weniger bekannte Bereiche und Traditionen wie die geistliche Patronanz des Deutschen Ordens für das Jägerbataillon „Hoch- und Deutschmeister“.
    Darüber zu berichten, bedeutet nicht, Krieg oder Gewalt gutzuheißen. Auch Soldatinnen und Soldaten stehen vor schwierigen ethischen Fragen und können geistliche Begleitung und Orientierung brauchen. Unser Anliegen ist es, die unterschiedlichen Facetten des Ordenslebens sichtbar zu machen.

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