
Menschen mit politischer Macht reden vom Frieden und bereiten doch neue Kriege vor, stecken Milliarden in Aufrüstung und sagen, es diene dem Frieden, und nähren die alten Kriege mit immer noch mehr Waffen. Mit Begriffen wird betrogen. „Friedensfazilität“ heißt einer davon. Blickt man darauf, was die politisch Mächtigen der EU darunter verstehen: Aufrüstung und Waffenlieferungen an kriegsführende Länder. Ein „Friedensfonds“ wird geschaffen, woraus Kriegsgeschehen finanziert wird. Man redet vom Frieden und meint doch den Krieg. Man füttert die Kriegskassen und knausert beim Geld für die Armen. Man befeuert mit all den kriegerischen Mitteln und Maßnahmen den Klimawandel mit seinen katastrophalen Folgen.
Das Töten und Sterben in der Ukraine im fünften Kriegsjahr – monatlich 40.000 – wird nicht gestoppt, sondern beliefert. Im Drohnenkrieg zählt das Völkerrecht nicht mehr. Beide (!) Seiten nehmen zivile Einrichtungen weit im Hinterland der Kriegsbeteiligten ins Visier. Deutschland wurde längst zum größten Waffenlieferanten für die Ukraine, die EU ist längst kriegsbeteiligt, die EU ist im Krieg, wir sind in Kriege verstrickt und hätten doch längst die diplomatische Reißleine ziehen müssen. Im eskalationsdynamischen Geschraube wartet selbst noch die nukleare Karte darauf, als letzte Verzweiflungsantwort einer militärischen Logik ausgespielt zu werden.
Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften reden gerne und schön vom Frieden. In Predigten wird vom Gewaltverzicht Jesu Länge mal Breite gesprochen – doch fehlen so oft die wirklich konkreten Worte gegenüber jenen, die zu immer noch mehr und noch längeren Kriegsdiensten zwingen wollen. Und manche gar, sie segnen noch immer scheinbar die Waffen, weil sie dienten dem Frieden, sie tragen mit Stolz ein priesterliches Kreuz auf einer Kampfuniform. Jesus wollte den Frieden, das Heer will Frieden, so einfach sei doch die Sache. Man predigt vom Frieden und verstummt gegenüber den Vorbereitungen des Krieges.
Verblendet vom Reden über den Frieden, der käme nur mit militärischer Stärke, wird verdrängt, was historische Wahrheit und politische Vernunft uns sagen: Es gäbe ein großes Potenzial, es gäbe die Mittel sich stark zu machen für Diplomatie und Verhandlungen. Das Budget des österreichischen Außenministeriums beträgt 665 Millionen Euro und beschäftigt rund 2000 Personen im In- und Ausland. Wie viel könnte mit solchem Mittelaufwand doch an Friedenspolitik und Vermittlung geschehen! Doch lieber reden die Mächtigen an den Schalthelbeln der Macht von einem großen Feind, der militärisch abgeschreckt und bekämpft werden muss. Einer jedoch schert aus aus dem Kriegsgeschrei. Papst Leo XIV. schickte seine Diplomaten nach Moskau und Kiew, sucht das Gespräch um Brücken zu bauen und schreibt und verkündet, wann immer es geht: Die wahren Werkzeuge zur Schaffung von Frieden seien nicht Waffen der Zerstörung, sondern Wahrheit, Dialog, Geduld, Güte, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Verständnis, Fürsorge und Liebe.
Klaus Heidegger