
Mehrmals im Jahr machte ich vor einigen Jahren die Kombination Haus-Absamer-Klettersteig-Bettelwurfhütte-Kleiner-Großer-Bettelwurf-Überschreitung-Absam-Haus. Das war mein „Ding“. Jetzt im frühen Herbst bin ich heuer zum ersten Mal in meinem ehemaligen „Hinterhof“ unterwegs. Gemütlicher nun und die beiden Gipfel auslassend. Redend über „Gott und die Welt“, was in unserer theologischen Reflexion ein Reden über „Göttliches in der Welt“ ist. Im seelischen Gepäck ist mein Entsetzen über den Sieg der rechtsextremen AfD am gestrigen Sonntag. Da tut es gut, mit einem Freund zu reden, über Ängste und Hoffnungen, während wir in das Halltal hineingehen. Der Bach entlang der Fahrstraße führt nur wenig Wasser. Der Sommer war wohl zu trocken und zu heiß. Das Klettern in der Ferrata hat spielerischen Charakter. 1300 Klettermeter, 600 Höhenmeter sind es. Föhnwolken mit interessanten Formen und Farben sind am Himmel. Wettersorgen haben wir keine. Bald liegt die kräftig grüne Lichtung mit dem weißen St. Magdalena-Kirche-Gasthaus-Gebäude tief unter uns. Die wackelige Seilbrücke umgehe ich. Der Steig nach dem Ausstieg kommt mir diesmal länger vor. Das alkoholfreie Bier und die Kaspressknödel und das Reden auf der Terrasse der Bettelwurfhütte (2077 m) schenken körperlich-seelische Kraft. Bewusst wählen wir nicht den schnell-steilen Abstieg zurück ins Halltal, sondern queren hinüber zum Lafatscher Joch. Das sind vier Kilometer und 200 Höhenmeter an den Südflanken des Bettelwurfs und der Speckkarspitze. An manchen Stellen heißt es vorsichtig zu gehen. Wohl deswegen ist der Steig mit Schwarz ausgewiesen. Die mächtige Stempeljochreise ist vor uns mit dem Stempeljoch, wo sich Nordkette und Gleirsch-Halltal-Kette begegnen. Hochmahdkopf und Zunterköpfe sind im Süden. Ein schottriger Weg führt hinunter zum Issanger. Ein Schafbauer sucht vier Schafe, die er beim Almabtrieb verloren hatte. Lieblich sind die grasig-moorigen Flächen, auf denen schön und giftig zugleich die Herbstzeitlosen blühen. Kräftig rot hängen die Früchte von den Vogelbeersträuchern. Der Roßkopf ragt im Hintergrund mächtig hervor. Wir tauchen ein in die Wälder, ein Gemisch von Erlen und Eiben, Fichten und Buchen. Waldbaden. Rund 13 Kilometer, 1500 Höhenmeter im Abstieg und 256 im Anstieg waren es von der Bettelwurfhütte. Gefüllt mit viel Natur und Gesprächen. Gott-in-Welt.