
„Vaterland“. Ein Film, der aktuell in die Kinos gekommen ist, hat mich berührt. Gerade in den Zeiten jetzt, wo hierzulande die Kickl-FPÖ mit ihren nationalistischen, antiwoken, ausländerfeindlichen und rechtsradikalen Tönen und ihren Verästelungen in identitäre Kreise sich in permanentem Aufwind befindet, wo über der Grenze im Norden eine als „gesichert rechtsextrem“ eingestufte Partei in einem Bundesland fast die absolute Mehrheit schaffte, wo das Unsagbare in Begriffen wie „Remigration“ wieder sagbar wird und Menschen mit Migrationshintergrund als „kulturfremd“ denunziert werden, gerade in diesen Zeiten ist der Film „Vaterland“ topaktuell. Die antifaschistische Motivation der Gegenwart kann sich verwurzeln in den großen Werken und ihrer Meister aus der Vergangenheit. Das wie ein Roadmovie gestaltete Biopic über den Schriftsteller Thomas Mann erzählt, wie der weltberühmte deutsche Nationaldichter und Nobelpreisträger im Jahr 1949 von seinem Exil in den USA in das kriegszerstörte Deutschland fährt. Er wird dabei von seiner Tochter Erika begleitet. Deutschland ist zerstört und geteilt. Im Westen beginnt der Wiederaufbau und letztlich auch die Wiederaufrüstung unter der Kontrolle der USA, der Osten Deutschlands wird nach den Prinzipien stalinistischer Doktrin umgestaltet. Beide Seiten – die Lenker des Westens wie des Ostens – versuchen den Nationaldichter für ihre Sache zu vereinnahmen.
Warum lohnt es sich gerade heute wieder, den Schriftsteller des letzten Jahrhunderts in den Blick zu nehmen? Weil er in einer Zeit, als die parlamentarische Demokratie der Weimarer Republik gefährdet war, klar gegen die nationalsozialistischen Umtriebe seine Stimme erhob. Weil Thomas Mann seine Berühmtheit, seine Mittel, seine Schaffenskraft unmissverständlich gegen faschistische Machenschaften einsetzte. In einer letzten Szene des Filmes, als beide erkennen, wie zerstört dieses Deutschland ist und welche Gefahren darin weiter schlummern, wie alte Nazis zu Wendehälsen in Ost und West wurden, bittet Erika ihren Vater, heimzufahren. Sie meint damit das Exil in den USA. In diesem zerstörten und geteilten Deutschland will sie nicht bleiben. Es ist nicht ihr „Vaterland“. Ihr Vater sieht sie an und fragt „welche Heimat“?