Wo Phantasie und Realität sich vermischen

Kirche kann mir sein voller kräftiger Farben, wie das Leben und wie die Natur, voll Phantasie wie meine Träume von einem guten Leben in Fülle für alle. In eine solche Kirche möchte ich eintauchen, in den Rausch von Farben und Phantasie, in eine Mischung aus jüdisch-christlichen Grundwahrheiten, in der JHWH-Gegenwärtigkeit und Erinnerung an jesuanische Geschichte miteinander verschmelzen. Kirchesein möge sich stets neu bilden aus Verbindung von Phantasie und Realität, in der Mystisches begreifbar wird ohne in weltfremde Esoterik zu entgleiten, in der Altes mit Neuem sich verbindet. All dies entdecke ich in einem Kirchengebäude unweit von Graz. Ihr Schöpfer ist Ernst Fuchs. An die alte Jakobskirche wurde von ihm eine ganz neue Kirche gebaut. Das Alte lehnt sich an das Neue, das Neue lehnt sich phantasievoll verspielt an das Alte – und das Neue ist doch so ganz neu und das Alte darf in seiner alten Form bewahrt bleiben. Man betritt die Kirche durch ein Portal aus Glas. Widderhörner bilden die Türgriffe. Man kommt in das Innere und wird aufgenommen in einen Farben- und Formenrausch. Zwei großflächige Bilder bilden die beiden vorderen Seitenfronten. Die Gestalt des Apostels Jakobus des Älteren und damit auch sein Symbol der Jakobsmuschel ist gestaltungsgebend. Das linke großflächige Gemälde zeigt Jakob bei der Geschichte von der Verklärung Jesu am Berg Tabor, das rechte zeigt die Berufungsszene am See Genesareth. Der Boden der Kirche ist uneben und mit runden Steinen belegt – so als ginge man über einen Kies-Sand-Strand. Die Sitzbänke haben die Struktur einer Jakobsmuschel. Die Holzbalken des offenen Dachstuhls erinnern an das Wüstenzelt des Volkes Israel. Sie sind in regenbogenbunten Farben und erinnern so auch an den Regenbogen als Bund, den JHWH nach der Sintflut mit der Menschheit geschlossen hat. In dieser Jakobskirche beginnt der steirische Jakobsweg – ein Aufbruch zu einer neuen Kirche kann immer wieder beginnen, genährt von Erinnerung an die Geschichte des Göttlichen im Volk Israel, in der Jesusbewegung und in den eigenen Erfahrungen, genährt von Phantasie und Träumen inmitten der Realität einer Welt mit ihren Widrigkeiten und Verwundungen.

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