Graz-Zeit. Zeit für das Erleben und Erfahren einer Stadt und ihrer Umgebung
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Polit-Zeit. In einer Zeit, in der allerorten rechtspopulistische bis rechtsextreme politische Entwicklungen wie das Drüsige Springkraut jetzt im Herbst an manchen Stellen besonders wuchern, stimmt der Gedanke hoffnungsvoll, in einer Stadt mit einer kommunistischen Bürgermeisterin zu sein. Zeitgleich wird in Berlin Die Linke stimmenstärkste Partei bei den Landtagswahlen. Grazer Verhältnisse – und New York. Zugleich sind wir in einer Zeit der politischen Gegensätzlichkeit und Polarisierungen. Auf der einen Seite Elke Kahr und auf der anderen Seite Mario Kunasek, der vor einer Woche in den frenetischen Applaus einstimmte, als sein Parteichef Herbert Kickl in Innsbruck seine Brandrede gegen das System hielt. Auf der einen Seite Elif Eralp und auf der anderen Seite die AfD im Aufwind.
Musik-Zeit. Hineinfallen ganz zufällig in das größte Volksfest Österreichs. Ganz Graz war im Modus des „Aufsteirern“. Ohne Lederhose fühlte ich mich wie ein Fremder. Eine Viertelmillion Steirerinnen und Steirer zeigt ihre Zusammengehörigkeit mit Dirndln und Lederhosen. Auf vielen Bühnen inmitten der brodelnden Stadt wurde Volksmusik gespielt. Das warme Herbstwetter spielte mit. Sehr viele junge Menschen und die Alten mittendrin. Graz erlebte eine riesengroße feiernde Gemeinschaft und nicht jene Spaltungen, die von den politischen Spaltpilzen und systemischen Entwicklungen befeuert werden, nicht Jung gegen Alt, nicht Arm gegen Reich, nicht Inländer gegen Ausländer. Im Orpheum, einem Grazer Kulturzentrum, spielte eine Band tiefgründigen Lieder von S.T.S. Ihre Lyrics in steirischer Mundart erzählen seit Jahrzehnten vom Leben der „kleinen Leute“ mit einer großen und weiten Seele, ihrer Sehnsucht nach Fürstenfeld als einer den Menschen innewohnenden Sehnsucht nach Beheimatung, ihrer Sehnsucht nach einem Menschen, der wie der „Großvater“ kein „Übermensch“ ist, aber dafür mit umso mehr Großherzigkeit. Während ich durch die musikerfüllte Stadt gehe, ist in mir noch der Refrain von Gert Steinbäcker: „ … I möcht lachen, tanzen, singen und rearn / Angst und Schmerzen solln mi wieder würgn / Und die Liebe möcht i bis in die Zechenspitzen spürn …“