Ein schwerer Bagger als Totengräber der Gletscher

Ein Bild hat kürzlich viele Menschen aufgeregt. Man konnte es über die Webcam der Braunschweigerhütte im hintersten Pitztal verfolgen. Ein Bagger planierte am Mittelbergferner das verbliebene Eis und zerstörte dabei das Gletschermaul. Es sei notwendig für den Skilauf am Gletscher, argumentierten die Gletscherbahnen. Es ist ein Symbol für den endgültigen Raubbau der Menschen in der Gletscherwelt, sagen die anderen. Vorbei ist der Sommer mit der stärksten Gletscherschmelze der Geschichte. Die Glaziologin Andrea Fischer schreibt von der „Entgletscherung“. Nach dem schneearmen Winter schmolz das Eis dahin. Im Glocknergebiet zerbrach die Pasterze.

Bei der Rennradfahrt auf der Kaunertaler Gletscherstraße blicke ich auf die geschwungene Gletscherzunge des Gepatschferners. Weit hat sie sich zurückgezogen. Der Gepatschferner zählt inzwischen zu den größten Gletschern der Ostalpen. Es ist symbolträchtig, wie am Rande der Straße ein Bagger das Gelände herrichtet. Der Mensch greift auf seine Weise in die Natur ein.

Dass die Gletscher dahinschmelzen, dafür sind aber nicht die Bagger schuld. Wenn ich in den Himmel blicke, sehe ich die Kondensstreifen und jeder weiß wohl inzwischen von ihrem klimaschädlichen Einfluss. Dennoch steigt die Zahl der Flugreisenden – gerade so, als gäbe es keinen Klimawandel mit all den negativen Folgen. Die Herbstferien verleiten Massenmenschen zu Kurzurlauben. Kolonnenverkehr auf Autobahnen und Durchzugsstraßen – gerade so, als würden die Kipppunkte im Klimageschehen nicht bald schon mit desaströsen Folgen erreicht werden. Die regierende Politik reagiert mit Vorschlägen zu einem immer noch harmlosen Klimagesetz, das für die Wirtschaftslobbys dennoch schon zu weit geht. Und jener Möchtegern-Volkskanzler zelebriert lautstark seine Vorliebe für den Turbo-Diesel, wenn er sich von seinen getreuen Gefolgsleuten hofieren lässt und seine Schwurbeleien über das Klima verbreitet.

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