
Blicke ich irgendwo von Innsbruck aus Richtung Südwest, so sehe ich einen markanten Gipfel in Pyramidenform mit steilen Flanken Richtung Norden. Eigentlich ist er eine Ansammlung von Gipfeln. Die Nockspitze ist die höchste Erhebung, östlich davon ist das Spitzmandl und nördlich vorgelagert die Pfriemeswand. Zum gesamten Ensemble in diesem nördlichsten Teil der Kalkkögel zählt noch das Birgitzköpfl. Was also liegt nahe an einem Tag, in dem wenig Zeit für eine größere und längere Bergunternehmung ist, der Wunsch zum gemeinsamen Unterwegssein mit Freunden dennoch groß, das Wetter wunderbar herbstlich und die Anfahrt kurz, als einmal diesen Hausberg zu besuchen, den ich bislang immer links liegen ließ. Startpunkt ist für uns die Axamer Lizum. Den ursprünglichen Plan der Ampferstein-Marchreisen-Überschreitung verwarfen wir aus Zeitmangel. Nun also biegen wir vom „Halsl“ nach Osten ab. Bis dorthin sind es gemütliche 40 Minuten. Ein breiter Steig auf einem breiten Rücken folgt. In nochmals 40 Minuten dann am Gipfel. Ein Holzkreuz steht auf der höchsten Erhebung, eines am Vorgipfel, ein anderes weiter unten am Spitzmandl. Der Steig dorthin sieht ausgesetzt aus. Die Aussicht ist fantastisch. Ein Rundumpanorama der Extraklasse unter tiefblauem Herbsthimmel. Das Stubaital liegt ganz nahe unter uns. Zum Glück wurde dieses Gebiet zur Ruhezone erklärt und eine Liftzusammenlegung Axamer-Lizum-Schlick letztlich verhindert. Wir lassen uns beschenken von diesem Panorama, das aus Tausenden Gipfeln rundherum besteht. Die Bergwiesen und Almflächen sind golden oder rötlich gefärbt. Innsbruck liegt ganz nahe unter uns – und dennoch ist hier oben die Hektik und der Lärm der Stadt weit weg. Als Abstieg wählen wir die Route über das Birgitzköpflhaus. Zunächst wieder hinunter den breiten Südwestrücken, in dem im Gipfelplateau dolinenartige Löcher wie in einem Karstgebiet sind und dann direkt unter dem Birgitzköpfllift zurück in die Lizum, die außerhalb der Skisaison so angenehm ruhig ist.