Unwetter in Tirol und die fehlende Kostenwahrheit

 

Im Juni 2016 schrieb ich einen Beitrag zu den Hochwassern in Tirol. In diesen Julitagen bleibt die Grundbotschaft gleich wie damals. Nicht so sehr die Hochwasser sind es gegenwärtig, die uns zum Denken und Umdenken, vor allem aber zur ökologischen Umkehr bewegen sollten, sondern die Gefahr von Muren und Hangrutschungen aufgrund von Unwettern.

Die Hintergründe für das, was uns heute in Tirol beschäftigt, sind die gleichen. Es sind die klimatischen Veränderungen. Höhere Temperaturen bedeuten höhere Verdunstung – so die direkte Proportionalität. Diese Relation muss ergänzt werden. Höhere Temperaturen und höhere Verdunstung sind die Folge von noch mehr Verbrennung von fossilen Treibstoffen durch Individualverkehr und Flugreisen. Eric Veulliet vom Forschungsinstitut alp-S: „Aus persönlicher Sicht nimmt die Heftigkeit der Gewitter zu und gibt mir Anlass zur Sorge. Wir stehen ja schließlich erst am Anfang der Klimaveränderung.“ (TT, 12.7.2016)

Weder die beherrschenden politischen und ökonomischen Kräfte noch das Verhalten der Bürger und Bürgerinnen en gros zeitigt Konsequenzen. Die Verursacher von Vermurungen hierzulande und Dürrekatastrophen in den Ländern des Südens werden nicht zur Kasse gebeten.

Wäre diese Welt gerecht und gäbe es eine Kostenwahrheit, dann gäbe es saftige Treibstoffzuschläge auf Diesel, Benzin und Kerosin, um daraus die Abermillionen zu finanzieren, mit denen heute die Folgen der Unwetter beseitigt werden. Solche Lenkungsmaßnahmen wären effizient, um die uneinsichtigen Massen zu einem anderen Verhalten zu verleiten. Doch die Mächtigen scheuen ökologisch-motivierte Abgaben wie der Teufel das Weihwasser. Dabei geht es tatsächlich darum, eine Besessenheit anzupacken. Unsere Welt ist wie besessen vom Autowahn. Diesel und Otto zerstören unsere Welt. Die Privilegierten von etwas, das den Namen Verkehrspolitik gar nicht verdient, hocken in ihren Autos und vergiften die Umwelt und nehmen mit ihren archaischen Blechkarossen den Menschen den Lebensraum. Wir haben die Wiederholung eines Bundespräsidentschaftskandidaten, dessen Partei gegen die Unterzeichnung des Klimavertrags stimmte, die für eine Aufhebung von Tempo 100 auf der Tiroler Inntalautobahn plädiert, Schnellfahren als cool-männlich propagiert und dessen Parteichef gerne Bilder aus den Partymeilen von Ibiza postet. Kurzurlaube auf den Baleareninseln – stets verbunden mit Flugreisen – scheinen ihm keine ökologischen Gewissensbisse zu erzeugen.

Ein Politikerbashing ist dennoch nicht angesagt. Es gibt auch die anderen Bemühungen, sei es die Forderung nach Einführung eines günstigeren Jahrestickets für die Öffis oder einer wegeabhängigen Mautgebühr. Und es gibt sie, die Elder Statesmen mit ihren weisen Aussagen. Mein Nachbar, Franz Fischler, meinte beim Forum Alpbach: „Es findet auch eine Entsolidarisierung statt und zwar auf mehreren Ebenen. Es ist auch eine Entsolidarisierung, wenn wir die größten Verursacher des Klimawandels sind und die Geschädigten in Afrika sitzen oder den nachkommenden Generationen die Folgen des Klimawandels aufbürden.“

Klaus Heidegger, Absam

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