Maria, Mirjam, Maryam al-ʿaḏrāʾ: unsere Begleiterin im Schuljahr 2017/18

Unter diesem marianischen Grundgedanken stand der Eröffnungsgottesdienst des PORG Volders in der Karlskirche für das neue Schuljahr 2017/18. Die zunehmend religiös buntere Welt der Schülerinnen und Schüler, wie sie in der traditionell katholischen Privatschule längst Einzug gehalten hat, drückt sich auch in der religiösen Feierkultur aus. Dabei erweist sich gerade die marianische Tradition der ehemaligen Servitenschule als Kraftquelle. Es war ein bewusstes Zeichen, dass der Gottesdienst von Pater Rupert sowie vom evangelischen Religionslehrer und Pfarrer Meinhardt von Gierke sowie vom islamischen Religionslehrer Durmus Gamsiz mitgetragen wurde. Wer an die Geschichte der Karlskirche mit ihrem gegenreformatorisch geprägten barocken Ambiente denkt, spürt dankbar, wie heute – 500 Jahre nach der Reformation unter Martin Luther – ein Geist der Versöhnung und des Miteinanders die Grundmelodie geworden ist. Wer am gleichen Tag in der Tageszeitung die ewiggestrige Aussage eines Politikers las, dass der Islam kein Teil Österreichs sei, erfuhr an diesem Ort durch das Beten und Singen des islamischen Religionslehrers sowie der Mitfeier der islamischen Schülerinnen und Schüler, dass – wie ich es bei der Begrüßung formulierte – der Islam jedenfalls Teil des PORG Volders geworden ist. Was für einige wenige Religionsbürokraten immer noch zu sehr ein Problem darstellt, das entspricht jedenfalls nicht der religiösen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Sie wollen zunächst nicht schön ordentlich religiös-strukturell eingekastelt werden, sondern einfach miteinander in Gemeinschaft ihre – ja auch religiösen – Stimmungen, Gedanken, Hoffnungen, Gebete ausdrücken können. Dies geschieht vor allem durch die einende Kraft der Musik. Wenn knapp 300 Schülerinnen und Schüler morgens in eine Kirche kommen und dann ganz ohne Aufforderung ganz leise werden, dann lag es am Ave Maria, das zu Beginn von zwei Professoren mit Geige und Klavier gespielt wurde. „Es ist die Musik, die uns zur Andacht hinführt“, meinte dazu Franz Schubert, als er den Zauber dieses Stückes interpretierte. Es ist Maria, die uns in den Religionen und Konfessionen verbindet. Von Gierke unterstrich, was wir von ihr lernen können: Offenheit für Neues, Offenheit für Göttliches. Aus dieser Offenheit folgt dann die Bereitschaft zum entsprechenden Handeln. Durmus Gamsiz führte aus, dass wir wie Maria selbst so leben können, dass auch bei uns Gott „Frucht“ werden kann. Vom Küchenprojekt der Integrationseinrichtung TAfIE wurden 150 Brötchen gebacken, die am Altar gesegnet und dann miteinander geteilt wurden. Die 8c-Klasse begleitete musikalisch den Gottesdienst. Pater Rupert las die Verkündigungsgeschichte, Durmus Gamsic sang aus dem Heiligen Buch des Islam. Für die Schülerinnen und Schüler gab es keine Überforderungen mit einer hochtheologischen Sprache liturgischer Texte. Das Magnificat – der Lobpreis Mariens – wurde zur großen Fürbitte, dass eine gemeinsames Feiern auch offen bleiben muss für die Nöte in der Welt da draußen: dafür, dass endlich die Hungernden mit Gaben beschenkt und die Erniedrigten Gerechtigkeit erfahren werden.

Klaus Heidegger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.