Abbatag oder „der Papa wird’s schon richten“ Gedanken zum Vatertag

Aus der Perspektive der Redeweise Jesu haben wir von Jesus eine große Zusage bekommen, wenn er selbst seine Gottesbeziehung mit dem aramäischen Wort „Abba“ auf den Punkt bringt. Martin Luther hatte es übersetzt mit „mein lieber Vater“, was die Vertrautheit, die mit diesem Begriff verknüpft wird, ebenfalls unterstreicht. Jesus stand mit dem Begriff „Abba“ nicht im Widerspruch oder in Abgrenzung zum jüdischen Verständnis von JHWH. Wäre Jesus Tiroler gewesen, hätte er wohl „Date“ oder „Tata“ gesagt.

Was bedeutet diese liebevolle Bezeichnung für Gott? Wo sind bei uns jene Qualitäten und Eigenheiten zu entdecken, die mit Abba verknüpft werden könnten?

Linguistisch gesehen wird „Abba“ genauso wie „Papa“ als Lallwort bezeichnet. Papasein bedeutet zunächst, dass Kinder einfach vertrauensvoll lallen dürfen. Ein Papa mag sein Kind nicht deswegen, weil es rhetorisch begabt ist oder geschliffen formulieren kann. Kinder dürfen lallen. Bekannt ist der liebevoll ausgetragene Streit zwischen den Eltern, wo es meistens der Vater ist, der stolz behauptet, sein Kind habe zuerst Papa und dann erst Mama sagen können. So eifert auch Gott um uns, so dürfen wir auch Gott unbeholfen anreden und unser Gebet kann ein Gestammel sein, das tief im Herzen geboren wird, in dem Verzweiflung wie Hoffnung, Angst wie Zuversicht Platz haben können.

Papasein bedeutet aber auch, dass ein Kind darauf vertrauen kann, dass der Papa „es schon richten wird“, wie es in einer der bekanntesten Rhapsodien von Helmut Qualtinger heißt. Wir können es auch so formulieren: Papasein hat damit zu tun, seinen Kindern immer zu helfen, wenn sie es brauchen, vor allem dann, wenn sie einmal anstehen. Das gelingt nur, wenn sich Väter Zeit für ihre Kinder nehmen, den Kopf und das Herz manchmal etwas weniger bei der Arbeit oder den Hobbys haben. In der gelebten Vaterliebe können wir die göttlichen Qualitäten entdecken. Gott ist barmherzig und nicht strafend, solidarisch und nicht befehlend, verzeihend und nicht aufrechnend, vor allem aber präsent, wenn Gott gebraucht wird. Das schwingt auch in jenem Tetragramm JHWH wieder, das mit „Ich bin, die ich bin“ oder „Ich bin da für dich“ übersetzt werden könnte. Im Konkreten kann das auch sein, dass mehr Väter die Möglichkeit eines Papamonats in Anspruch nehmen. Das Papawort Jesu dekonstruiert die patriarchalen Gottesbilder. Da dürfen Väter auch zärtlich und unendlich liebend sein. Kinder können an ihren Vätern erfahren, was es heißt, von Gott geliebt zu sein, um dann vertrauensvoll zu Gott beten zu können „Vater unser …“

Klaus Heidegger, Präsidiumsmitglied der Katholischen Männerbewegung der Diözese Innsbruck, Vatertag 2019, 9.6.2019

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