Nothilfelogik des Altbundeskanzlers Kurz

Wenn Flüchtlinge im Mittelmeer in Seenot geraten, dann sollen die Rettungsboote der Hilfsorganisationen nicht vor Ort sein, weil andere Verzweifelte dann doch einen Fluchtversuch wagen könnten. Wie absurd diese Logik ist, zeigt sich in folgender Analogie: Wenn jemand in Not gerät, brauchst du nicht helfen, weil dann könnten sich andere auch verleitet sehen, sich einer Gefahr auszusetzen. Wenn ein Bergsteiger in Bergnot gerät, dann besser nicht helfen, weil es könnte ja dazu führen, dass andere zum Bergsteigen animiert werden könnten, wenn sie wissen, da gibt es für den Notfall auch eine Bergrettung. Auch ÖAMTC oder ARBÖ sollten nicht mehr aktiv werden, wenn ein Auto eine Panne hat, weil das könnte ja dazu führen, dass andere pannenanfällig sich auf den Weg machen könnten. Menschlichkeit wird einer unmenschlichen Logik geopfert, die nur scheinbar logisch ist. Es gäbe auch die andere Logik. Wer in Not gerät, der muss gerettet werden. Das ist der Kernsatz der Menschenrechte und der christlichen Ethik zugleich. Diese andere Logik hat Papst Franziskus bei der Messe für Flüchtlinge und Seenotretter im Petersdom verkündet. Eine christliche Politik müsse sich um die Letzten kümmern. Und er meinte mit deutlichen Worten: „Die Letzten, das sind die, die getäuscht und verlassen werden, um in der Wüste zu sterben; die Letzten sind die, die in Gefangenenlagern gefoltert, missbraucht und verletzt werden; die Letzten sind die, die den Wellen eines erbarmungslosen Meeres trotzen; die Letzten sind die, die zu lange in Auffanglagern gelassen werden, als dass man ihren Aufenthalt dort als temporär bezeichnen könnte.“ Das klingt so anders als die Worte des wahlkämpfenden ÖVP-Vorsitzenden.

Klaus Heidegger,
Vorsitzender der Katholischen Aktion der Diözese Innsbruck, 8. Juli 2019

klaus.heidegger@aon.at, Bachgasse 10, 6067 Absam, 0680 55 49 115

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