Verbrannte Erde

An einem der heißesten Tage. Die Hitzewelle in Europa ist apokalyptisches Vorzeichen für die Folgen der Erderhitzung. Wenn ich mir die Autobahnen vergegenwärtige, die wie giftige Bänder Europa kreuz und quer durchziehen mit all dem Massenverkehr, dann könnte ich fast verzweifeln. Ich nehme die Zerstörung wahr und möchte nicht Teil von ihr sein. Heute blieben meine Gedanken und Gefühle bei einem Kunstwerk hängen. Es war nicht nur der berühmte verschmitzte steinerne Engel am Portal der Kathedrale von Reims und es war nicht nur das eindrucksvolle Chagall-Fenster im Chor. Ich fand noch etwas anderes. Fast bin ich darüber gestolpert wie wohl die meisten, die kunsthistorisch interessiert oder spirituell motiviert durch dieses französische Nationalheiligtum gehen. Eine zeitgenössische Skulptur in der geschichtsbeladenen Kathedrale, in der über die Jahrhunderte politische Geschichte festgemacht wurde, weil hier die Könige gekrönt wurden, ist wie ein Manhmal. Der Künstler Claude Klimsza hat dort, wo sich Hauptschiff und Nebenschiffe kreuzen, eine dunkelschwarze zerfurchte Kugel auf einer blauen Matte angeordnet. Sie sieht aus, als wäre sie gerade aus einem Feuerofen genommen worden. Sie stellt den verbrannten Planeten Erde im Universum dar. Der Künstler schreibt selbst zu seinem Kunstwerk, das er „Rechauffemant Climatique“ (Klimaerwärmung) nennt: Man könne nicht mehr von Erwärmung sprechen, sondern von Erhitzung, die als Warnsignal ernst genommen werden müsste.

24. Juli 2019

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