Biennale-Reflexionen – Teil 3 – die Blutmaschine

Blutmaschine

wie Sisyphos mit dem Stein
der Roboter mit dem Blut
blutrote Lacken am Boden
riesenhafter Roboterarm wischt und wischt
neues Blut spritzt
im gläsernen Käfig dreht sich im Kreis die Maschine
blutrote Farbe klatscht an die Scheiben
wer stoppt das Bluten?
„Can’t help myself“
verzweifelnder Ruf der Maschine nach Erlösung

gegenüber eine Betonziegelmauer
Stacheldrahtrolle auf ihr
Einschlusslöcher in ihr
es starben Kinder an dieser Mauer
Roboter reckt wie wild die Schaufel
vergeblich sein Wischen und Wischen
Blut von Menschen in mexikanischen Drogenkriegen
wer stoppt das Bluten?
„Can’t help myself“
trotziger Ruf der Maschine nach Befreiung

klaus-heidegger, September 2019

 

In der Hauptausstellungshalle der Venedig-BIENNALE in den Giardini. Ein Künstlerduo aus China hat einen riesenhaften Blutroboter in einen gläsernen Käfig gesetzt. Wie Sisyphos versucht die Maschine mit ihrem Roboterarm eine blutartige Flüssigkeit zusammen zu schieben. Doch spritzt immer neues Blut. Der Titel dieser Installation lautet „Can’t Help Myself“.

Das vergebliche Tun dieser Maschine zu stoppen, sie sozusagen zu „erlösen“, würde bedeuten, den Gewaltexzessen in unserer Welt Einhalt zu gebieten. Genau 80 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges sehe ich diese Installation. Sie ist eine Anklage an die Kriege im Heute, von denen täglich in den Medien zu lesen ist; eine Anklage an eine Politik und Wirtschaft, die das massenhafte Morden erlaubt, befiehlt, ermöglicht und rechtfertigt. Der Blutroboter könnte gestoppt werden, wenn endlich die Kriegsmaterialienproduktion eingeschränkt würde, wenn Staaten dieser Welt nicht weiterhin für Kriege investieren, sondern den Frieden fördern würden.

Klaus Heidegger

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