BIENNALE-Reflexion – Teil 6: Befreiende analoge Intimität außerhalb der digitalen Welt

geborgen

der kühlblaue Windowsbildschirm groß im Hintergrund
seine Funktionen im Augenblick irrelevant
digitale Welt aus dem Blick gerückt
Icons nun völlig nebensächlich

reale Welt ist woanders
was wirklich zählt wird erlebbar
in der Geborgenheit zweier Menschen
einander liebend zärtlich verbunden

Herzschlag wird hörbar
kein Rauschen des Computers
Wärme wird spürbar
keine kühles elektronisches Gadget

zwischen zwei Menschen passt kein Blatt Papier
keine Vorwürfe trennen die beiden
angenommen sein ohne Vorbehalte
Körper, Seele und Geist im Einklang

das Fenster wie ein Gitter
ausgesperrt die kühle Welt von draußen
das Drinnen bleibt ungestört
da ist Heimat und Geborgenheit

klaus-heidegger, September 2019

 

Im zentralen Pavillon im Giardini-BIENNALE-Gelände hängen einige Bilder von Nicole Eisenmann. Vor einem Bild der amerikanischen Künstlerin verweilte ich länger. Ich kenne den Titel nicht, den sie ihrer Malerei gegeben hat. In der Fülle von den BIENNALE-Kunstwerken, die großteils Zerstörungssituationen dramatisch verdichten, tut dieses eine Bild so gut. Es blendet die Welt der Entfremdungen nicht aus, die jederzeit am großen Bildschirm im Hintergund angeklickt werden könnten. Es zeigt aber zugleich, wie in den Augenblicken des Lebens trotz allem Erfahrungen des Glücks geschenkt werden könnten.

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