Kieselsteine in den Schuhen der Kirche

Im Anschluss an die Amazonien-Synode haben hierzulande Kardinal Schönborn und mit ihm im Gleichklang die diözesanen Ortsbischöfe immer wieder beklagt, dass zu viel über kirchenstrukturelle Fragen wie über verheiratete Priester, das Zölibat oder die Zulassung der Frauen zum Priesteramt geredet würde. Man will offensichtlich diese Themen nicht haben, weil es Wichtigeres gäbe. Doch die kirchenoffizielle Message Control greift nicht, weil kirchliche Reformgruppen nicht aufgeben und Journalistinnen und Journalisten an diesen Fragen weiterhin interessiert sind.Tatsächlich gibt es Wichtigeres, wie uns die Amazonien-Synode mahnt, nämlich die Zerstörung des Planeten Erde aufzuhalten, die vor allem mit Blick auf Amazonien sichtbar wird. Dennoch hängen die primären Zielsetzungen meiner Kirche mit strukturellen Fragen zusammen.

Ich möchte einen Vergleich machen. Wenn ich auf einen hohen Berg steige, dann sind der Gipfel und der Weg dorthin natürlich das Wichtige. Was aber, wenn ich Kieselsteine in den Schuhen habe? Dann wird der Weg sehr schmerzhaft und wenn die Füße zu bluten beginnen, rücken Weg und Ziel in weite Ferne, ein Weiterkommen wird zur Qual.

Solche schmerzenden Kieselsteine sind die antiquierten und diskriminierenden Zulassungsbedingungen zu kirchlichen Ämtern. Die katholische Kirche könnte sich mit viel Schwung den wichtigen Aufgaben zuwenden, wenn Bischöfe den Mut fänden innezuhalten, die Schuhe aufzubinden, die Kieselsteine zu entfernen, die wunden Stellen zu pflegen und die Schuhe neu zum Aufbruch zu binden. Ohne Pflichtzölibat und mit gleichen Rechten für Männer und Frauen in der Ämterfrage wäre die Kirche ein super „Werkzeug“, um die Klimaschutzziele umzusetzen, um Ausbeutungsvorgänge in der Welt zu bremsen, um Kriege zu stoppen, indem Kriegsursachen beseitigt werden. Meine Kirche braucht selbst dringend den Mut zu strukturellen Veränderungen, um eine glaubwürdiges Zeichen und effizientes Instrument in dieser Welt zu sein.

Klaus Heidegger

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