Adlerblicke ins Inntal am Adlerklettersteig

Der Wetterbericht sagte für das Allerheiligenwochenende einen Wetterumschwung voraus. Er sprach von Föhnsturm im Laufe des Tages. Noch einmal dürfte es sich aber ausgehen, vor dem Schnee auf den Bergen eine Tour zu machen. Das Ziel: Der Adlerklettersteig auf den Karkopf. Vor vielen Jahren bin ich ihn einmal gegangen. Seither hatte ich ziemlich Respekt davor. Meine Bergfreundin strahlt die ganze Sicherheit und Unbekümmertheit aus, die man für diese Tour braucht. Startpunkt ist in der Nähe vom Straßberghaus. (1190 m) Die Südostwand vom Karkopf, unserem Ziel, leuchtet golden in der Morgensonne. 7.45 Uhr. In etlichen Kehren geht es schnell die 800 Höhenmeter hinauf durch den Latschengürtel zum Einstieg vom Klettersteig, der mit Adlern markiert ist. In einigen Abschnitten wird deutlich, warum der Steig mit D+ angegeben ist. Es gibt leicht überhängende Passagen und glatte Platten. Eisentritte sind selten, was aber sogar angenehm ist, weil die Füße Halt am Fels finden müssen. Die Kletterei weist einige Höhepunkte auf wie das Adlerauge, ein Felsloch das durchklettert wird und hinter dem im Norden tiefblau der Himmel und das Zugspitzmassiv sichtbar werden, und eine luftige Querung mit Reibungskletterei an der Südwand entlang. Allerdings ist keine Stelle so schwierig, dass ich hätte „zaubern“ müssen. Am Grat vom Ausstieg weg bis zum Gipfelkreuz vom Karkopf (2469), es sind nur wenige Minuten, ist es dann sehr windig. Zu windig, um dort länger zu verweilen, dennoch Zeit genug für die Tief- und Weitblicke hinüber zur mächtigen Hochwand, dem nächsten Gipfel in der Mieminger Kette, zum Simmering und Tschirgant und dem Mieminger Plateau, in die Stubaier- und Zillertaler Alpen, hinüber zu den Gipfeln der Hohen Munde und dann auf der anderen Seite die Zugspitze, die von hier aus so nahe wirkt. Das Gaistal unten liegt im Schatten jener Bergkette, auf der wir gerade sind. Nicht alleine. Ein paar sind noch hier, die den Normalanstieg gewählt haben. Mit den Pausen dauerte der Aufstieg knapp über 4 Stunden. Schnell springen wir den Steig hinunter zum Wetterkreuz und zur Neuen Alpl Hütte. Es sind nochmals eineinhalb Stunden. Am Ende bleibend: Dankbarkeit für diese sechseinhalb Stunden gemeinsamer Naturerfahrung. Und zugleich traurig, dass es so schnell wieder vorbei ist.

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