Gaudete-Checkliste persönlich und politisch – mich freuen …

Der 3. Adventsonntag trägt den Titel „Gaudete“. Es ist die Aufforderung, sich zu freuen bzw. die Freude in sich zu spüren. Wenn die politische Situation eher zum Verzweifeln ist, wenn die äußeren Lebensumstände viel Verdruss bereiten und das eigene Herz voll Traurigkeit ist, fällt es nicht leicht, dem Gaudete-Ruf sogleich zu folgen. Dennoch versuche ich an diesem Tag zu benennen, was mir Freude ist. Die Reihenfolge ist kein Ranking über das, was wichtig ist, sondern ist spontan und zufällig, weil all diese ungeordneten Punkte ihre eigene Bedeutsamkeit haben. Bewusst habe ich Politisches und Privates vermischt, weil beides doch irgendwie immer vermischt ist. Die Liste ist auch weit davon entfernt vollständig zu sein und wird morgen schon wieder etwas anders aussehen. Gaudete!

 

 

 

Mich freuen …

  • über die Geschicklichkeit des Handwerkers, der in der Wohnung eine Reparatur erledigte
  • über Begegnungen, die mein Herz weit machen
  • über den Hausmeister, der vor der Wohnanlage den Gehsteig vom Schnee befreit und dabei ein Lied pfeift
  • über die Weihnachtskekse, die mir eine liebe Person in mein Schulfach legte, welche ich schon aufgegessen habe (die Kekse und nicht die Person)
  • über einen Schüler, der mein Smartphone wieder zum Laufen bringen konnte
  • über den Schnee auf den Bergen und die Skitouren
  • über eine Freundschaft, die trägt und Wärme schenkt
  • über familiäre Geborgenheiten
  • über meine Kinder und dass ihnen so viel im Leben gelingt
  • über die Aktionen von Extinction Now und Fridays-for-Future, die sich so selbstlos für die Rettung der Welt einsetzen
  • über Schülerinnen und Schüler, die sehr interessiert über ethisch-religiöse-philosophische Fragen sind
  • über einen Radweg, der auch im Winter instandgehalten wird
  • über die Tränen, die sich lösen können
  • über Menschen und Gruppierungen in den Kirchen, die konsequent das Evangelium verwirklichen
  • über den Vinzibus und die Menschen, die den Ganzarmen in Innsbruck einen kleinen Lichtblick geben können
  • über Gruppierungen wie Maria Magdalena & Co, die für Gendergerechtigkeit in der Kirche eintreten
  • über meine Klasse, in der so viel Zusammenhalt und gegenseitige Wertschätzung ist
  • über so manches Zeichen der Zuwendung
  • über ein Gebet, das gemeinsam gesprochen wird
  • über ein Brot, das miteinander geteilt wird – oder die Nüsse bei der Gipfeljause
  • über ein aufmunterndes WhatsApp
  • über die Katholische Aktion, die eine demokratische und politische Kraft in der Kirche ist
  • über nachhaltige und fair gehandelte Produkte in Geschäften
  • über Freundschaften, die beständig sind, auch wenn sie nur wenig gepflegt werden und weit auseinander liegen
  • über wertschätzende Auseinandersetzung mit Gedanken und Texten
  • über die Wissenschaftler:innen, die einen Impfstoff erfanden und nach weiteren Auswegen aus der Pandemie forschen
  • über Politikerinnen und Politiker, die sich einsetzen für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung und dabei sparsam sind mit Kompromissen
  • über Situationen, in denen ich anderen Menschen helfen kann
  • über Menschen, die mir mit ihrem radikalen Lebensstil Ansporn sind, selbst konsequenter zu leben
  • über das Pflegepersonal und die Ärzteschaft, die sich darum kümmern, dass nicht noch mehr Menschen an Covid sterben
  • über die ansteckende Fröhlichkeit eines anderen Menschen
  • über Flüchtlingsinitiativen, die nicht müde werden, auf das Einhalten der Menschenrechte hinzuweisen und für das Recht auf Asyl einzutreten
  • über emotionale Verbundenheiten, die stärken
  • über die Frau an der Kassa im Supermarkt, die immer freundlich ist
  • über eine Person, die dich mag
  • über die Erfahrung einer Seelenverwandtschaft
  • über Augen, die dich anstrahlen
  • über eine Person, die dich zum Lachen bringt
  • über die biblischen Geschichten, die mich stets neu ermutigen, selbst in meinem Leben nach Gott* zu suchen
  • über Augen, die dich wirklich anblicken und deinen Blick erwidern
  • über meine Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern
  • über Menschen, die in Zeiten der Pandemie besonders achtsam sind und Schutzmaßnahmen verantwortungsvoll einhalten
  • über Kolleginnen und Kollegen, mit denen eine Zusammenarbeit im Team Freude macht
  • über das Ende von manchen Straßenbauprojekten
  • über Menschen, die nicht Mauern bauen, sondern Türen öffnen, die nicht Gräben reißen, sondern Brücken bauen
  • über das, was Heimat ist
  • über einen Artikel, der mir in meinem Fragen weiterhilft und neue Perspektiven eröffnet
  • über Menschen und Initiativen, die sich für die Rechte von Tieren einsetzen
  • über Beziehungen, wo du sein darfst, wie du bist, wo du geschätzt wirst, wie du bist
  • über ein Buch, das mir Weisheit schenkt
  • über Gerechtigkeit
  • über Wahrhaftigkeit
  • über Gedichte, die mich in der Seele berühren
  • über die Erinnerungen an ein Leben, das in seiner Fülle noch ganz sein konnte
  • über die Kraft, auf Berge zu springen, ohne müde zu werden
  • über ein Lied, dessen Melodie meine Sehnsucht trifft
  • über einen Menschen, der meine tiefe Traurigkeit etwas leichter macht
  • über eine Umarmung von einem lieben Menschen
  • über …

Kommentare

  1. Danke Klaus!
    Deine Gedanken zeigen mir, dass es viel mehr gibt um dankbar zu sein, als man im ersten Moment glaubt!
    Diese Bewusstseinserweiterung tut gut, gerade in Zeiten wie diesen!

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