Rietzer Grieskogel, Kreuzjoch und Mitterzeigerkopf

Unten vom Inntal oder vom Seefelder Plateau aus, wo ich im Winter meine Skatingrunden drehe, oder von den Gipfeln des Karwendels wirkt der Rietzer Grieskogel mächtig. Mit 2884 ist er einer der höchsten der Sellrainer Berge. Vom Sellraintal aus selbst ist er nicht einsehbar und seine Südseite und der Westgrat bieten einen angenehmen Anstieg. Mein Freund kennt seinen Hausberg fast auswendig. Der Startpunkt liegt auf 1800 Höhenmeter bei einem Parkplatz und der Bushaltestelle zwischen den beiden Lawinengalerien knapp vor der Scheitelhöhe von Kühtai. So ist es auch ein Ziel, das sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen ließe. Es sind nur 1000 Höhenmeter von dort bis zum Gipfel. Daher ist es nicht überraschend, dass der Rietzer Grieskogel zu den ganz beliebten Skitourenzielen zählt.

Nicht aber an einem Tag wie diesem. Die Schneeverhältnisse wirken nicht verlockend. Aper sind die Sonnenhänge des Sellraintales bis in Gipfelhöhe. Es bläst ein kräftiger Südföhn. Dennoch gibt es mehr als genügend Gründe, dieses Ziel gerade an diesem Tag zu wählen: Die Lawinenwarnstufe ist niedrig. Die Nasschneelawinen der letzten Tage sind an den Osthängen bereits abgegangen. Zwischen den Almrosenbüschen, die bereits sichtbare Knospen tragen, und den Steinen Schneepfade zu lässt sich ein Schneepfad finden. Mein Freund kennt den direkten steilen Südanstieg zu einem Hochkar. Der Harschdeckel ist gefroren und dennoch gut griffig. Vom Hochkar aus ist das neue überdimensionale Gipfelkreuz bereits sichtbar. Die Verhältnisse am ausgesetzten Grat vom Schidepot bis zum Gipfel sind heute perfekt. Der Schnee ist griffig. Nur beim felsigen Gipfelaufbau gibt es ein paar eisige Stellen, die sich mit Vorsicht gut bewältigen lassen. Ein stürmischer Wind bläst die Wolken weg. Der Blick – vor allem hinunter ins Inntal – ist beeindruckend.

Zeit und Verhältnisse und vor allem unsere Lust an Bergen und Bewegung bieten sich an, nach einer Abfahrt ins Hochkar hinunter noch auf das Kreuzjoch und von dort den schönen Grat hinauf zum Mitterzeigerkopf (2.628 m) zu steigen. Zwei bekannte Unentwegte, die wir zufällig trafen, suchen sich dann sogar noch einen dritten Gipfel, den Kreuzjochkogel, aus.  Wir lassen es für heute gut sein.

Die Abfahrt wird besser als erwartet: An manchen Stellen ist die Schneedecke leicht aufgefirnt, aber auch im schweren Nasschnee lassen sich Schwünge machen. Im unteren Klammbachtal wählen wir dann einen Almweg hinaus und holpern über abgegangenen Lawinen und auf eisigem Untergrund zurück zur Kühtaier Landesstraße.

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