
Der britische König Charles III. auf Staatsbesuch in den USA. Er lässt sich hofieren von jenem Mann, der autokratisch-narzisstisch-überheblich selbst King sein möchte, König auf Lebenszeit, am besten Herrscher über die ganze Welt. Der britische Monarch trifft also auf ein Staatsoberhaupt, der die USA mit einer völkerrechtswidrigen Aktion in einen neuen Krieg gegen den Iran führte; auf einen erratischen Kriegsherrn, der erst vor kurzem ebenfalls gegen das Völkerrecht den Präsidenten Venezuelas entführen ließ; auf einen Staatschef, der mit seinen ICE-Soldaten Jagd selbst auf gut eingebürgerte Menschen mit Migrationshintergrund anordnet; auf einen Klimaveränderungsleugner.
Glattlackiert und schwarz glänzend sind die Schuhe der Könige, wenn sie wie zwei gute Freunde vor den Kameras der Weltpresse posieren. Barfuß oder in notdürftigen Plastiksandalen leben die Abertausenden in den Flüchtlingszelten, nachdem ihr Zuhause von den kriegerischen Aktionen der USA weggebombt wurde. Ich sehe mit meinen inneren Augen auf den strahlend weißen königlichen Nobelhemden die Blutspritzer jener Abertausenden, die in den Kriegen der Weltenherrscher elendiglich krepieren. King Charles fordert dazu auf, die Kampfhandlungen der Ukraine zu unterstützen. Eine halbe Million Menschen starben bereits in dem mörderischen Krieg auf beiden Seiten. Das Töten hat kein Ende. Während Trump und die seinen und Charles und die seinen sich mit ausgewählten Speisen und Getränken satt essen und wohl auch betrinken, verhungern die Menschen in den Kriegsgebieten. Die NATO, so der britische König, verdiene jede Unterstützung. Noch nie war die Doomsday-Clock so nahe am Armageddon. Die Könige zelebrieren die Taten der großen amerikanischen Nation, die ihren 250. Geburtstag feiert. Wo bleibt die Kritik an dem Kriegskurs von Trump, an seiner Missachtung von Menschenrechten, an der Umgehung selbstverständlicher demokratischer Usancen? Was sagte der britische König konkret bei seinem Besuch in den USA? Stolz verwies er auf seinen Dienst in der Royal Navy. Ganz in der militärischen Logik verhaftet lobt der britische König die Aufrüstung in seinem Land und in Europa, begrüßt die gemeinsame Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie – beispielsweise in der Produktion der F-35-Kampffluzeuge – und fordert die Solidarität im Rahmen der NATO ein.
Vor einem Seelenrosenkranz, den ich vorbeten darf, sitze ich in einer gotischen Kirche. An der Wand vor mir ist ein altes Fresko. Es zeigt die Heiligen Drei Könige. Sie haben ihre Krone abgenommen. Eine liegt vor ihnen am Boden. Das Gemälde zeigt eine andere Botschaft als die königsgeilen Bilder aus den USA. In dem Fresko knien die Könige und haben ihre Krone abgelegt. Das Königsein der Gewaltherrscher hat ein Ende. Es kommt der Messias – so ganz ohne Gewalt.
Klaus Heidegger