
Kein österreichischer Feldherr kommandierte mehr Schlachten als Karl Philipp zu Schwarzenberg. Sein fragwürdiger Ruhm ist mit Russlandfeldzug und Völkerschlachten verbunden. Ein Vorbild für die österreichische Nation? Nach dem Abzug der US-amerikanischen Besatzungssoldaten wurde die größte Kaserne Österreichs nach dem Feldmarschall des frühen 19. Jahrhunderts benannt. Die Bundesregierung des Jahres 2026 beweist ein Gespür für die Wahl ihres sommerlichen Ministerrates. Stolz und mit dem bekannten Siegeslächeln konnte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner ihre Regierungskollegen in der Schwarzenbergkaserne begrüßen. Das Ambiente war also wirklich passend, um die koalitionäre Einigung über die Verlängerung des Wehrdienstes zu beschließen. Die Kriegsdienstpflicht wird von sechs auf neun Monate verlängert werden. Die Regierung folgt dem Auftrag der Wehrdienstreformkommision, um „ein Überleben im Kampfeinsatz“ und die „Feldverwendungsfähigkeit“ zu erreichen. Ein nicht von Militär- und Rüstungsinteressen geblendeter Blick würde zeigen, dass mit Aufrüstung kein Frieden gesichert oder erreicht werden kann. Ein neutraler Staat wie Costa Rica beweist: Ohne Wehrpflicht und Armee – aber mit einem Einlassen auf Friedensdiplomatie – kann Stabilität inmitten einer kriegsgeilen Weltpolitik erreicht werden. Die Friedensburg Schlaining mit ihren Friedensforschungsaktivitäten böte sich an für einen Ministerrat, der nicht auf Kriegs- sondern auf Friedenstauglichkeit setzte.