Gewissenlos rasend und konsumierend in die Klimakatastrophe

Die Erde brennt und in den Niederlanden findet der Fromel-1-Grand-Prix statt. Die Kipppunkte des Klimawandels sind erreicht und Rennautos rasen. 30.000 Hitzetote gab es vergangenen Sommer in Europa und der gefährlichste El Nino aller Zeit droht im Pazifik. Warum werden die extrem klimaschädlichen Auto- und Motorrad-Sportveranstaltungen angesichts der Klimakatastrophe nicht verboten? Warum lechzen Massen nach diesen perversen Spielen? Das Kurvenfahren der benzinfressenden Rennwagen – 150 Liter pro Rennen pro Bolide – ist eine gigantische Umweltsauerei. Das sind rund 50 Liter pro 100 Kilometer pro Rennwagen. Katalysatoren kennen die High-Tech-Maschinen jedoch keine. Die Tonnen von Kohlenstoff-Emissionen werden noch über Jahrzehnte die Atmosphäre schädigen. Klimaexperten reden heute schon von einem unerträglichen Leben von bis zu 50 Grad Hitze bis zum Jahre 2050. Der giftige Abrieb der fetten Reifen, die Trainings, das Verladen des ganzen Equipments in Flugzeuge – um irgendwo auf einer anderen Weltseite wieder das nächste Umweltverbrechen zu zelebrieren – die Liste des Unerträglichen ist lang. Der spezielle F1-Treibstoff  ist so teuer, dass eine Tankladung für ein Rennen mit 40.000 Dollar berechnet wird, wenn darin auch die Entwicklungs- und Produktionskosten mitberechnet werden. In afrikanischen Ländern sterben massenweise Menschen, weil das Geld für Impfstoffe fehlt. Das Dröhnen der Motoren scheint jede Gewissensregung und ökologische Vernunft hinweg zu blasen. Es passt zusammen, dass das Red-Bull-Imperium als größter Investor im Formel-1-Zirkus zugleich mit seinen Nachrichtenkanälen den Klimawandelleugnern die beste Bühne für Schwurbeleien bietet. Und Ökidioten auf der ganzen Welt schütten sich die Energy-Drinks in ihre Körper und tragen mit ihrem Tun zur Zerstörung des Planeten bei. Red Bull verleiht keine Flügel den Konsumierenden, sondern nährt das Milliardenvermögen von Mark Mateschitz, dem reichsten Österreicher mit einem Vermögen von rund 40 Milliarden Euro.

Kommentare

  1. 👍 Autorennen, der F1 Zirkus und die Aktivitäten mancher Konzerne sind Ausdruck einer Lebens- und Wirtschaftsweise, die schon lange nicht mehr mit den Anforderungen eines Not leidenden Planeten und der Mehrheit seiner Einwohner*Innen kompatibel sind. Wer echte Herausforderungen sucht, möge den neuen Bericht an den Club of Rome „Earth for All“ (oekom Verlag, 2022) lesen und sich fragen, was er/sie dazu beitragen kann, damit Kinder und Enkelkinder weltweit mit Zuversicht und Optimismus in die Zukunft blicken können.

    1. Klimaschutz und die Frage, wie wir unseren Lebensstil langfristig verantwortungsvoll ausrichten, sind wichtige Themen. Mir fehlt hier aber die Verhältnismäßigkeit. Ausgerechnet die F1 zum Symbol einer globalen Lebens- und Wirtschaftsweise zu erklären, greift für mich zu kurz. Freizeit, Reisen, Kultur, Fußball, Wintersport oder andere Großveranstaltungen verursachen ebenfalls Emissionen. Wo ziehen wir die Grenze und wer entscheidet, welche Interessen gesellschaftlich noch vertretbar sind? Über konkrete Maßnahmen und deren Wirkung sollten man(n) diskutieren. Mit der moralischen Bewertung der Freizeitinteressen anderer Menschen tue ich mir schwer.

      1. Danke für Deine nuancierte Antwort. Meist schreibe ich in meinem Blog über jene Verhaltensweisen der Alltags-Konsumierenden, die unsere Welt zerstören und zur Klimakatastrophe führen. Es stimmt, dass die Motorsportveranstaltungen nur einen kleinen Teil dieser Zerstörung ausmachen. Dennoch sind gerade sie ein Sinnbild dessen, was nicht sein sollte.

  2. Die Kritik am ökologischen Fußabdruck der F1 finde ich durchaus berechtigt. Aber bei Formulierungen wie „perverse Spiele“, „Umweltverbrechen“ oder „Ökidioten“ geht für mich die sachliche Diskussion verloren. Millionen Menschen pauschal abzuwerten, weil sie Motorsport verfolgen oder Red Bull trinken, überzeugt mich nicht. Besonders irritierend finde ich den Vergleich mit fehlenden Impfstoffen in afrikanischen Ländern. Zwischen den Entwicklungskosten eines F1-Treibstoffs und der Finanzierung von Impfprogrammen besteht kein unmittelbarer Zusammenhang. Klimaschutz verdient eine ernsthafte Diskussion mit belastbaren Zahlen. Polemik und moralische Abwertung helfen dabei wenig.

    1. Liebe Sabrina, Danke für deine kritischen Anmkerkungen. Es tut mir leid, wenn meine Begriffe verletzend sein sollten. „pervers“ finde ich passend – in seiner Bedeutung verkehrt. Angesichts der Klimakatastrophe und ihren Folgen sind Motorsportveranstaltungen verkehrt. Mit Blick auf die kommenden Generationen kann auch von einem „Verbrechen“ gesprochen werden. Ich weiß, dass dies moralische Urteile sind – ganz bewusst. Wir brauchen in unserem Verhalten auch die moralische Debatte, die freilich immer auf Sachargumenten aufbauen muss. Freilich versuche ich zu unterscheiden zwischen Person und Tat – nicht die Person als solche ist schlecht, sondern das, was als Tat oft geschieht. Und dann gilt einfach: Angesichts der enormen Ressourcenverschwendung und der Finanzierung des milliardenschweren Red-Bull-Konzerns ist der Kauf von Red-Bull-Dosen wirklich ökidiotisch – wenngleich nie die Person, wie Du zurecht andeutest. Mlg, klaus

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