
Leiser als der Wind, der bläst über die herbstlichen Wiesen und Wälder, rollt mein Rad über sanfte Hügel, die sind wie irdische Wellen aus erdgeschichtlicher Zeit. Südsteirisches Hügelland. Ein tiefblauer Himmel mit strahlend weißen Kumuluswolken schwebt wie schützender Deckel über dem welligen Terrain. Regen wird es nicht geben. Kleine Ortschaften, winzige Weiler, einsame Gehöfte, tiefgrüne Wiesen mit grasenden Kühen, Felder mit braun-vertrockneten Maisstängeln, manchmal auch ein Weinberg, manchmal ein Feld mit Kürbisschalen aus jüngster Ernte und einigen wenigen übrig geblieben Kürbissen. Das passt zur Steiermark besonders. Alles ist real, alles ist analog, alles ist in expressionistisch wirkenden Farben. Vor so manchem Hof hängt das Schild „KÜRBISÖL“. Nur wenige Autos begegnen mir. Ein paar Ziele habe ich auch: Den bekannten Wallfahrtsort Strassengel aus vergangenen Jahrhunderten und die Hundertwasser-Kirche aus der Jetztzeit. Solche Ziele strukturieren mein Fahren. Sehr viele Kilometer und sehr viele Höhenmeter radle ich so dahin, freue mich über die Steigungen, denn dahinter wird es wieder schnell hinunter gehen, lasse mich bei jeder neuen Kurve von etwas Neuem überraschen, navigiere mit Komoot, und beeile mich dann doch, um nicht in die inzwischen früh werdende Abenddunkelheit zu geraten, kämpfe gegen den starken Wind, der manchmal nervig von vorne bläst, um mich wenig später von hinten zu schieben, bevor es wieder in die verkehrsreiche Großstadt geht. Manchmal gibt es dort einen Radweg, manchmal einen Radstreifen, manchmal ein Zusammenspiel zwischen Autos und Straßenbahn und mir mittendrin. Nur nicht in die Schienen einfädeln! Das Erlebnis erfahrener Natur- und Kulturlandschaften habe ich mitgenommen wie einen Strauß bunter Blumen. Ich möchte ihn teilen mit anderen Menschen und beginne zu schreiben. Immer noch kann ich dankbar sein für solches intensive Erleben ganz ohne großen ökologischen Fußabdruck, ohne Verbrauch fossiler Brennstoffe, ohne Autos und Flüge, aber mit der Eigenkraft von Körper und Seele. Hügelig war es. Und „hyggelig“ zugleich, wie die Dänen ihr Wohlgefühl ausdrücken.