
Nach all den schrecklichen Kriegen der Vergangenheit, nach all den furchtbaren Verletzungen humanitärer Grundsätze, nach all den Zerstörungen dessen, was Leben lebenswert macht, versprachen sich Menschen und Regierungen und internationale Organisationen im Einklang mit der Philosophie, den Religionen, den vernunftgeleiteten Wissenschaften der Ökonomie und der Juristerei: Nie wieder soll es einen Krieg zwischen den Völkern geben! Es soll nicht mehr herrschen das Recht des Stärkeren, sondern die Selbstbestimmung eines Staates über seine Regierung und seine Ressourcen! Es soll nie wieder das militärische Faustrecht rücksichtslos angewandt werden, sondern internationales Recht soll in den Beziehungen zwischen den Staaten der Maßstab sein. Die Charta der Vereinten Nationen sollte für alle Nationen und alle Völker dieser Welt der Maßstab sein und mit ihr das Gewaltverbot. Der Internationale Gerichtshof sollte das Instrument dafür sein, um Recht und Gerechtigkeit weltweit zur Durchsetzung zu bringen.
Konträr dazu ist das beherrschende Lagebild auf dem Planeten Erde. Der Beginn des Jahres 2026 ist geprägt von einer geopolitischen Situation, in der sich die militärisch mächtigsten Staaten über das Völkerrecht hinwegsetzen, auf die Charta der Vereinten Nationen spucken und das Gewaltverbot in internationalen Beziehungen missachten. Einmal mehr muss die Frage gestellt werden, warum dies geschieht? Wenn die Ursachenfrage beantwortet ist, lässt sich auch die Frage beantworten: Was kann getan werden?
Der US-amerikanische Präsident und seine MAGA-Leute sprechen offen ihre primäre Zielsetzung aus: Es geht ihnen um die Ressourcen in Venezuela. Dass Maduro ein herrschaftssüchtiger Diktator ist, der seine Geschäfte auch mit Drogen machte, ist ein willkommener Vorwand. Die Hauptursache für den völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela und die Entführung von Maduro liegt darin, dass Trump und die US-amerikanischen Konzerne Appetit auf die größten Ölvorkommen der Welt haben, die sich in Venezuela befinden. Vom „Ressourcenfluch“ spricht die Wissenschaft. Putin und sein Regime haben Appetit auf die Ukraine wegen seiner Ressourcen. Im Sudan wird der Krieg befeuert wegen Gold und anderer Rohstoffe. Unter dem Motto „no blood for oil“ gingen Anfang der 2000er-Jahre, als die USA Krieg im Mittleren Osten führte, weltweite Hunderttausende auf die Straße. Die Rohstoffgier, die zu Kriegen und Besatzung führt, reicht zurück bis in die Imperien der Antike, geht über die Kolonialzeit bis hin zur Geopolitik der modernen Imperien wie die USA, Russland oder China.
Hier läge wohl ein Ansatzpunkt der Massen, um den Kriegen der Gegenwart die Geschäftsgrundlage zu entziehen. Die Frage lautet dann: Wie kann ich selbst nicht Teil der ölgierigen und ressourcensüchtigen Welt sein? Wie sieht es mit dem eigenen Energieverbrauch und damit dem eigenen Lebensstil aus?
Das „drill, baby, drill“ der MAGA-Bewegung wird von Trump und seinen Getreuen ausgeweitet auf Lateinamerika und verbunden mit dem Motto „kill, baby, kill“. Der weltweite Ölverbrauch liegt bei täglich 100 Million Barrel. Das sind 15 Milliarden Liter. Eine Rechenaufgabe in der Schule könnte zu folgendem anschaulichem Ergebnis führen. Wenn man ein Fass mit 50 cm Durchmesser und 80 cm Höhe Bauch an Bauch nebeneinanderstellen würde, ergäbe dies eine Länge von 40.000 Kilometern, was dem Umfang des Äquators entspräche; würden die Fässer übereinandergestellt, so wäre der Turm 80.000 Kilometer hoch. „Drill, baby, drill“ und „kill,baby, kill“ führen auch zum Klimakollaps und all den dystopischen Zuständen in Gegenwart und Zukunft.
Während ich darüber schreibe, bilden sich jetzt am Ende der Weihnachtsferien 2025/26 auf den Autobahnen und Durchzugsstraßen die Autokolonnen. An jeder Zapfsäule werden die Kriege und die Klimakrise befeuert. Alle zehn Sekunden hebt irgendwo in der Welt ein Flugzeug ab. Nach dem weihnachtlichen Konsumrausch türmt sich der Müll in den Containern vor den Häusern.
Neben dem imperialistischen und kapitalistischen Ressourcenraub gibt es noch den direkt militärischen Aspekt, der damit verknüpft ist. Im Fall der US-Intervention in Venezuela zeigt sich einmal mehr sowohl die Gefahr wie auch die Nutzlosigkeit, die in den militärischen Apparaten liegen. Zum einen werden die stärksten Militärapparate benützt, um die eigenen Interessen mit Waffengewalt durchzusetzen. Bildlich gesprochen gilt: Wo der Colt locker sitzt, wird er auch angewandt. Kein Staat dieser Welt hat in den letzten Jahrzehnten so viele Kriege geführt bzw. sich an Kriegen beteiligt wie die USA. Kein Staat dieser Welt gibt auch nur annähernd so viel für Militär und Rüstung aus wie die USA. Zum anderen konnte sich Venezuela trotz eines starken Militärs mit den eigenen militärischen Kapazitäten nicht verteidigen. Der militärische Apparat wurde zudem in den vergangenen Jahren auch als staatliches Repressionsinstrument gegenüber der eigenen Bevölkerung eingesetzt.
Ein Land könnte sich hingegen durch die Einübung von Sozialer Verteidigung gegen fremde Usurpatoren wehren, ohne dass es Tausende Tote und Verletzte gibt. Eine nicht-militärische Verteidigungsarchitektur würde die Demokratie im eigenen Land stärken, wäre wesentlich kostengünstiger und ökologisch nachhaltig. Es ist daher absurd, wenn heimische Politiker gerade angesichts der aktuellen geopolitischen Lage Konzepte wie „Rearm Europe“ in der EU oder eine Aufrüstung im eigenen Land forcieren. Die Militärs in dieser Welt bringen keinen Frieden. Die Militärs in unserer Welt gefährden ihn und ermöglichen die kriegerischen Wege.
Klaus Heidegger