The time is out of joint – eine Welt aus den Fugen

Oft wird in der aktuellen „Zeitenwende“-Zeit jener Satz von Hamlet zitiert, in dem er zu seinem Freund Horatius spricht: „Die Zeit ist aus den Fugen“. Hamlet erfährt von dem mörderischen Geschehen in seinem engsten Familienkreis. Er ist erschüttert über die hintertückische Ermordung seines Vaters. Die ganze kosmische Ordnung, jedes Moralgefüge und jeder Anstand scheinen plötzlich nicht mehr zu gelten.

Auch in meine Sinne kommt mehr und mehr dieser Schlüsselsatz aus dem Shakespeare-Drama, wenn ich die Nachrichten aus der Welt höre, Berichte von martialischen Gebärden des US-Präsidenten, den dystopischen Bildern von ICE-Soldaten auf der Jagd nach Menschen in amerikanischen Städten, den Aufrüstungsspiralen in allen Teilen dieser Welt, dem Ticken der Atomkriegsuhr, den Kriegsverbrechen, die trotz Waffenstillstand weiterhin im Gaza-Streifen geschehen, den Landbesetzungen in der Westbank, dem Putinschen Terror und dem aussichtslosen Kampf der ukrainischen Streitkräfte, die mit immer neuen Waffen aus westlichen Ländern gefüttert werden, den Bürgerkriegen in Afrika oder dem brutalen Niederknüppeln der Protestbewegung im Iran durch das Mullah-Regime. Die Klimakrise mit ihren katastrophalen Konsequenzen überspringt jene Grenzen, die längst schon von wissenschaftlichen Foren festgelegt worden sind. In Klein-Österreich nimmt der Rechtspopulismus zu und scheint jede Vernunftordnung wegwischen zu wollen. Auch hierzulande setzen die Herrschenden auf die militärische Karte, stecken Abermillionen in neues Kriegsgerät und planen die Ausweitung der Wehrpflicht. Die Welt ist aus den Fugen.

Emotional erschüttert wie Hamlet flüchte ich in die Berge, die nicht aus den Fugen sind, wenngleich sie von den Auswirkungen der Klimakrise nicht unbeschadet bleiben. Es tröstet mich aber noch mehr, wenn ich von den großen Protestdemonstrationen in amerikanischen Städten höre, von mutigen Menschen, die sich den ICE-Beamten in den Weg stellen, von den Hunderttausenden, die in den iranischen Städten auf die Straßen und Plätze gehen. Es trösten mich die mutigen Worte von Papst Leo XIV., der die multilateriale gewaltfreie Vision der martialisch-nationalistischen Donroe-Doktrin entgegenhält.

klaus.heidegger

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