
Wo nicht die Natur angepasst wird, sondern ich mich anpassen kann an die Natur, wo nicht Steine und Felsbrocken wegrasiert wurden, sondern diese meine Spurwahl vorgeben, wo der Schnee auf vielfältige Weise von Kälte und Wind geformt wurde und nicht plattgewalzt ist von tonnenschweren Maschinen, wo ich meine Schwünge achtsam anpassen kann an die Natur und nicht die Natur angepasst wird für Pistenraserei, dort spüre ich mich daheim, weiche achtsam jedem Bäumchen aus, um es mit den scharfen stählernen Skikanten nicht zu verletzen, wähle die Schwünge, um in diesem schneearmen Winter nicht an Steine zu stoßen, lasse mich fallen in die Gesetze der Schwerkraft, ohne zu fallen, weil sich Bewegungen spielerisch anpassen an Pulver oder Harsch, an Steilheit und Mulden, und mich anpassend kann ich Teil der Natur sein, Teil des Universums, nicht als egomaner Eroberer mit narzisstischen Bedürfnissen, sondern als Geschaffener, fühle ich mich etwas wie der Fuchs, dessen Spuren im Schnee ich kreuze, werde ich innerlich so still wie die Schneelandschaft, wo der Schnee jedes Geräusch schluckt und nur ein wenig gluckert ein Bächlein zwischen gefrorenem Eis und pfeift der Wind durch die fast nadellosen braungefärbten Lärchen, spüre die Jännerkälte im Schatten und den Sonnenstrahl hinter der Geländekante, dann bin ich ganz nicht im Digitalen, sondern im Analogen, nicht in einem Gestern oder Morgen, sondern im Augenblick, und wäre ich nicht in radikaler Gegenwärtigkeit, würde ich fallen, könnte ich vielleicht einem Stein nicht mehr ausweichen, würden mein Ski an einer eisigen Stelle ausrutschen oder sich an einem im Triebschnee versteckten Almrosenbuschen verhängen. So wird mein winterliches Unterwegssein in den Bergen wie eine Metapher für mein Leben, in dem ich dankbar das Jetzt und Hier umarme mit all seinen Herausforderungen, achtsam, um nicht zu verletzen, um Wärme im Kalten zu spüren, um Lebenskraft einzusetzen, ohne sie zu vergeuden, um wegzulassen, was unnötig belastet, um eins zu sein von Körper, Seele und Geist.
Bild: Blasigleralm-Hochleger – in Richtung Steixner Kamm, am 16.1.2026