Love Trumps Hate

Im Slogan „LOVE TRUMPS HATE“ verdichtet sich jenes andere Amerika, das die Welt großartig machen kann. Liebe ist stärker als Hass. Liebe ist der Trumpf, der dann ausgespielt wird, wenn ein Spiel zunächst schon verloren zu sein scheint. Liebe wird den Hass aber nicht in der Logik von Sieg-Niederlage bezwingen, sondern den Hass verwandeln. Das ist auch die zentrale Botschaft der biblischen Schriften, die sich in der Bergpredigt beim Evangelisten Matthäus bündelt. Jesus spricht von der Feindesliebe. „Leistet dem Bösen nicht mit gleichen Mitteln Widerstand. … Begegnet denen, die euch Feindschaft entgegenbringen, mit Liebe und betet für die, die euch verfolgen.“ (Mt 5,38.44) So hat Jesus gelebt und denen noch verziehen, die ihn ans Kreuz genagelt haben. So hat Stephanus in den Minuten seines qualvollen Todes nicht für sich, sondern für die Mörder gebetet. So sind sich Jakob und Esau nach Jahrzehnten der Feindschaft in die Arme gefallen. So hat Franz von Assisi gebetet: „Wo Hass ist, lass mich Liebe säen.“ So ging Nelson Mandela auf den weißen Richter, der ihn zu lebenslanger Haft verurteilt hatte, nach 28 Jahren Gefängnis mit einer versöhnlichen Geste zu.

Mit dem Amtsantritt von Donald Trump scheinen Amerika und die Welt in mancher Hinsicht verloren. Angst ist berechtigt. Doch: Der Widerstand und die tägliche Zivilcourage haben begonnen. Selbstbestimmte Frauen werden sich von Sexismus und Patriarchalismus nicht einschüchtern lassen. Vielleicht werden Abertausende ihre Dienste in einem Militärsystem verweigern, das die Welt durch einen Atomkrieg vernichten könnte. Millionen können schon heute zu einem klimafreundlichen Lebensstil umkehren, auch wenn die politischen Akteure im Weißen Haus und der Administration die Realitäten der Klimaveränderung leugnen. Kirchliche Gruppierungen, friedensbewegte Kräfte, Gewerkschaftler, Menschenrechtsgruppen, Weiße, Native Americans, Hispanos, sexuelle Minderheiten, Migranten … ganz unterschiedliche Kräfte, die vom neuen US-Präsidenten so gerne gegeneinander ausgespielt werden, tun sich zusammen und zeigen: „Yes, we can!“ Ein gefährlicher Präsident wird durch eine starke Zivilgesellschaft abgebremst.

Der Slogan „Love trumps hate“ wird damit zum Glauben, dass die todbringenden Spiralen von Gewalt-Gegengewalt durchbrochen werden können und dass wir nicht Gefangene in einer mimetischen Struktur andauernder Rivalität sind. Der Blick auf Gott, den Allbarmherzigen und Allerbarmer, menschgeworden in Jesus Christus, gibt uns dazu Kraft und Inspiration.

 

Klaus Heidegger, 23.1.2017

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