Messe feiern


im Herzen der Heiligen Messe
das Teilen des Brotes
Wandlung geschieht
gestärkt in den Alltag
können Gläubige wandeln

im Herzen der Heiligen Messe
das Hören auf Gottes Wort
im Hinhören auf Bibel und Leben
ermutigt in den Alltag
können Gläubige ziehen

keine unverständlichen Rituale
erstarrt in vorgestrigem Ismus
im Leben der Menschen verankert die Sprache
erfrischt in göttlicher Gegenwärtigkeit
können Gläubige atmen

keine Hierarchien von oben und unten
keine Trennung des Volkes Gottes
ein Herz und eine Seele
erbaut von gegenseitiger Solidarität
können Gläubige glauben

kein Pochen auf Gesetze und Rechte
kein Klammern an miefigen Traditionen
weit geöffnet sind Türen und Fenster
erfüllt von Heiliger Geistkraft
können Gläubige hoffen

Messe wird nicht als Hokuspokus vollzogen
kein Drohen mit Höllenstrafen
kein Vertreiben kritischer Geister
vereint in der Unterschiedenheit
können Gläubige lieben

klaus.heidegger, 18.7.2020

(Sommergedichte 2020- #9)

 

„Der gestohlene und wiedergefundene Volksaltar“ – eine Provinzposse mit weltkirchlicher Dimension

Es ist ein besonderer Tag, um sich über meine katholische Kirche Gedanken zu machen. Vor 150 Jahren, am 18. 7. 1870, wurde auf Initiative von Papst Pius IX. das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. Dies führte zu einer weiteren Trennung der Kirche. Die Altkatholische Kirche löste sich von Rom. Mehr noch aber bleibt dieses Dogma ein Stolperstein auch in der katholischen Kirche. Pius-Brüder nennen sich jene Kleriker, mit denen die Vorgänge in Imsterberg in Verbindung stehen. Zu ihrem zentralen Anliegen zählt die Feier der Eucharistie nach tridentinischem Ritus. Zentrale Texte der Eucharistiefeier werden auf Latein gelesen und der Priester zelebriert mit dem Rücken zum Volk. Einen Volksaltar gibt es nicht. Damit wird die Liturgiereform des Zweiten Vatikanums konterkariert, die die Volkssprache bei der Feier der Eucharistie einführte sowie  die Zelebration am Volksaltar.

Imsterberg  ist eine kleine Gemeinde im oberen Inntal. Die katholische Pfarrgemeinde zählt 760 Gläubige. Seit einigen Jahren war hier Stephan Müller verantwortlicher Pfarrer – bis Mitte Juli 2020, als es auch dem Diözesanbischof zu viel wurde. Die unmittelbare Vorgeschichte ist skurril und bot Stoff für mediale Berichterstattung. Zuerst hatten etliche Gemeindebürgerinnen und Gemeindebürger öffentlich ihren Protest gegen die Vorgänge in ihrer Gemeinde kundgetan. Pfarrer Stephan Müller feierte zunehmend öfter die Messe nach tridentinischem Ritus. Das zog zwar einige Gleichgesinnte aus dem weiteren Umkreis an, zugleich war es für die „Einheimischen“ schwer nachvollziehbar, warum Gemeindemessen nun in lateinischer Sprache gehalten wurden und der Volksaltar vom Pfarrer in ein Depot gebracht worden war. Bischof Hermann versuchte zunächst beiden Seiten gerecht zu werden. Stephan Müller sollte als Pfarrprovisor bleiben, zugleich würde ihm ein anderer Seelsorger beigestellt, der die Gemeindemessen und bestimmte Bereiche der Seelsorge übernehmen sollte. Daraufhin gab es eine Aktion, die wie ein Volksschauspiel sein könnte. Pfarrer Stephan Müller war gerade im Urlaub, Gemeindemitglieder holten den Volksaltar wieder aus dem Depot und brachten ihn in die Kirche. Als Müller davon erfuhr, organisierte er mit Hilfe seiner Getreuen eine Nacht-und-Nebel-Aktion. Der Volksaltar wurde im Dunkeln von Männern aus Landeck aus der Kirche geholt und in ein Auto verfrachtet, das sich auf den Weg nach Landeck machte. Gemeindemitglieder merkten dies und informierten die Polizei, die die Verfolgung aufnahm. Der Volksaltar wurde nun mit Polizeibegleitung nach Imsterberg zurück gebracht. Die Zeit für eine versöhnliche Lösung zwischen beiden Kräften war vorbei. Bischof Hermann setzte Stephan Müller als Pfarrprovisor ab und betraute den Seelsorgsraumleiter von Zams-Schönwies, Pfarrer Herbert Traxl, zum neuen Leiter der Pfarrgemeinde Imsterberg. Stephan Müller soll eine andere Aufgabe in der Diözese übernehmen, wo er weiterhin für Messfeiern im tridentinischen Ritus Gelegenheiten finden sollte.

Hinter dem Konflikt um den Volksaltar stecken mehr als nur liturgische Differenzen. Ich würde jedenfalls meinen Schülerinnen und Schülern nicht empfehlen, auf die Website der Pfarre Imsterberg zu blicken, um den katholischen Glauben kennenzulernen. Dann würden sie beispielsweise erfahren, dass Wiederverheiratete von den Sakramenten ausgeschlossen sind oder dass es tatsächlich ewige Höllenstrafen nach dem Tod geben würde. Bezeichnend ist wohl auch, dass auf der Einstiegsseite der Website zwar ein Bild von Papst Benedikt ist, nicht aber eines von Papst Franziskus. Wohl auch, weil es Benedikt XVI. war, der wieder die Erlaubnis gab, im tridentinischen Ritus die Messen zu feiern.

Klaus Heidegger

Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Heidegger,
    zuerst: die Gedanken über die Hl.Messe, zusammengefasst in ein Gedicht, sprechen mich persönlich sehr an.
    Die Vorgänge in Imsterberg sind ja bereits von den Medien berichtet worden. Es war gut, dass Bischof Hermann eine klare Entscheidung getroffen hat. Tief betroffen macht die Spaltung in der Pfarre. Ein Priester darf aus meiner Sicht niemals zulassen, dass seine Gemeinde wegen seiner spirituellen Ausrichtung gespalten wird.
    Man mag zu der Form der Messfeier nach dem tridentinischem Ritus stehen, wie man will: Die Hl. Messe verbindet die Pfarre mit Gott und untereinander, sie ist ihre innerste MItte und Quelle aller Gnaden.
    Ich bin nicht Richterin der Gesinnung von Pfarrprivor Stepan Müller, bedauere aber zutiefst die Vorgänge und bete um neue Einheit in der Pfarre.
    Zu Ihrer Berichterstattung über Imsterberg darf ich noch folgendes anmerken: Es stört mich auch, dass auf der Homepage von der Pfarre Imsterberg Papst Franziskus praktisch nicht vorkommt. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass jeder Priester im Hochgebet für den regierenden Papst öffentlich betet. Vor allem drückt er hier seine Einheit mit dem Bischof und dem Papst aus, eine unverzichtbare Grundlage für sein priesterliches Wirken.
    Papst Benedikt XVI. wollte mit seiner Entscheidung, den tridentinischen Ritus wieder zu erlauben, bestimmt nicht Pfarreien spalten. Priester wie Stephan Müller berufen sich zwar auf Papst Benekdikt, ohne ihm aber ganzseitig zuzuhören. Den Eindruck habe ich. Sie hören nur das, was ihnen in den Kram passt.
    Dass Wiederverheiratete von den Sakramenten ausgeschlossen sind, stimmt ja. Papst Franziskus geht zwar hier den behutsamen Weg, aber trotzdem: Bis zur Stunde ist es nicht falsch, wenn Pfarrer Müller das sagt.
    Womit ich ihm aber nicht recht gebe, wenn er Gläubige von der Kommunionbank ohne Sakramet weg schickt!
    Zur ewigen Höllenstrafe: Es gehört zur Lehre der KIrche, dass es diese Möglichkeit des „ewigen Verloren-Seins“ gibt. Dass Gläubigen die „Hölle heiss gemacht wird“, sollte der Vergangenheit angehören. Ich wünsche, dass jeder Priester in seiner Verkündigung Worte findet, die auch von den „Letzten Dingen“ Himmel, Fegefeuer und Hölle – aufbauend wirken.
    Herzlichen Gruß
    M.I.

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