Notfall Erde

treibhausgasvergiftet ist der Planet Erde
diagnostiziert wurde dies schon lange
destabilisiert ist das Klima
ausgelöst werden Kaskaden von Zerstörungen

Wälder brennen
Dämme brechen
Gletscher schmelzen
Frostböden lösen sich auf

ökonomische Gier zerstört weiter
alltägliche Unvernunft regiert weiter
Notfallsituation des Patienten Erde wird ignoriert weiter
so aber darf es nicht weiter gehen!

klaus.heidegger, 19.7.2021

Kirchlicher Segen für Straßenausbauten

Als ich als Student vor 40 Jahren noch Gründungsmitglied der Grün-Alternativen Partei hierzulande war, sind wir bereits zu Fuß durch das Oberinntal gewandert und haben vor dem Klimawandelt gewarnt und sind mit der Bevölkerung darüber ins Gespräch gekommen. Es war ähnlich, wie viele Jahre später heute der Climate Walk quer durch Österreich ist. Szenenwechsel: Wir waren damals nur zu zweit, als wir von der Katholischen Jugend bei der Eröffnung eines weiteren Teilstücks der Inntalautobahn mit einem Transparent und Flugblättern gegen die Versiegelung Tirols mit Betonflächen auftraten. Die Marketenderinnen spendierten uns bei dem feierlichen Event – zum Unterschied von den Ehrengästen wie Landeshauptmann Wallnöfer oder dem segnenden Abt des nahen Stiftes Stams – keinen Schnaps. Die Schützen schossen die Salve nicht wegen uns und wahrscheinlich hat uns auch lange vor Laudato Si kein Tropfen Weihwasser gegolten, um unseren stillen Protest gegen die Naturzerstörung zu segnen. Im Laufe der letzten Jahrzehnte war kirchlicher Segen meist dabei, wenn irgendwo ein Straßenteilstück oder ein Tunnel eröffnet wurde. Demonstrierenden Umweltschützern galt er damals noch nicht.

„Unwetter hat es immer gegeben?!“

Diesen Satz höre ich zum Glück seltener, doch hält er sich hartnäckig. Er ist Ausdruck dessen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert werden, um eigene Bequemlichkeiten zu kaschieren und das Verhalten nicht zu verändern. Dass Wetterextreme zur „neuen Normalität“ gehören, dass Unwetterkatastrophen sich häufen – das ist neu. Und vor allem: Dürren, Starkregen, Tornados – das sind Folgen der Klimakrise. Österreichs bekannteste Klimaforscherin, Helga Kromp-Kolb, dazu: „Klimawandel, Erwärmung am Nordpol, Schwächung des Jetstream, daher langanhaltende Wetterlagen. Zugleich mehr Energie und Feuchte in der aufgeheizten Atmosphäre, daher stärkere Niederschläge, stärkere Winde.“ (Krone, 18.7.2021) Unisono haben wissenschaftliche Studien schon vor drei Jahrzehnten vor solchen Folgen gewarnt. Die globale Erwärmung führt dazu, dass der Sättigungsdampfdruck von Wasserdampf exponentiell mit der Temperatur zunimmt. Wenn mehr Wasser drin ist, kann es auch mehr regnen.

Die Klimakrise ernst nehmen

Die jüngsten Unwetterkatastrophen sollten die letzte Ignoranz vertreiben. „Wir müssen schneller werden im Kampf gegen den Klimawandel“, sagte die deutsche Bundeskanzlerin beim Besuch im Katastrophengebiet. Solche Worte vermisse ich noch vom österreichischen Bundeskanzler. Die Formulierung in einem Satireblog, „Kurz atmet auf, Sonne scheint, Klimakrise ist vorbei“ hat realen Politgehalt.

Kognitive Dissonanzen

Es mutet pervers an, wenn einerseits Trauer und Erschrecken über die Folgen der Erderhitzung ausgedrückt werden, andererseits zugleich jenes Ereignis medial mit größtem Interesse verfolgt wird, das real-symbolisch für die Zerstörung des Klimas steht: Der Grand-Prix der Formel-1-Autorennen.

Handeln statt Resignation

Maßnahme 1 für heute lautet: Energieverbrauch reduzieren! Was kann ich selbst dazu beitragen, damit mein ökologischer Fußabdruck kleiner wird bzw. klein bleibt? Umstieg auf Elektroenergie ist nicht die erste Maßnahme. Selbst Energieerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen hat einen beträchtlichen ökologischen Fußabdruck. Die Graue Energie und die Umweltzerstörungen, die auch mit E-Autos verknüpft sind, müssen auch in den Blick genommen werden.

Die Politik täte gut daran, sich nicht länger mit halbherzigen Maßnahmen abzugeben. Globoli im Falle einer schweren Krankheit reichen eben nicht aus. Das neu präsentierte Klimapaket der EU-Kommission ist zu wenig ambitioniert. Und dennoch bietet es einen ersten Ansatzpunkt und ist ein Zeichen, dass verantwortliche Politikerinnen und Politiker erkannt haben, dass es einen deutlichen Kurswechsel braucht. Allerdings hat die herrschende Politik immer noch populistische Angst, mit drastischen Maßnahmen künftige Wählerinnen und Wähler zu verschrecken, anstatt Angst vor den Folgen der Erderhitzung zu haben. Wie sagte es vor nun schon fast 2 Jahren Greta Thunberg: „You should panic!“ Angesichts der Meldungen aus Sibirien, Teilen der USA und Europas fällt uns das wohl nicht mehr schwer – es sei denn, wir folgen dem legendären Polit-Song des genialen Brauer und stecken „das Köpferl in Sand“.

Klaus Heidegger, 19.7.2021

 

 

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