Regenbogen und die Begegnung mit Gletscherwelten 1

Mein Bild entstand am Freitag, 28. August, beim Aufstieg vom Hochjoch-Hospiz zum Brandenburger Haus. Wir starteten frühmorgens in Vent, wanderten über die Rofnerhöfe und weit oberhalb der imposanten Rofnerschlucht zum Hochjoch-Hospiz. Leichter Regen setzte ein. Dann wieder wurde der Wind so stark, dass er die Wolken wegschob und Regentropfen und Sonne zauberten einen Regenbogen dort, wo der Kesselwandferner sich in einem kräftigen Wasserfall entleert. Kein Naturphänomen hätte in diesem Augenblick besser zu meiner seelischen Stimmung gepasst, als dieses Gebilde aus Millionen lichtreflektierender Wassertropfen. Der göttliche Bund mit Noah legte sich nahe, während ich gedankenversunken und vorsichtig zugleich über den teils schmalen lettigen T-5-Steig über den Steilflanken emporstieg. Im Tal noch hörte ich in den Nachrichten vom verheerenden Tun der Kriegsherren. Es sind jene, die dem Kriegsgott Marduk schwören. Der biblische Gott verheißt eine Zeit, in der die Kriegsbogen zerbrochen werden und ein neuer Bund unter den Menschen und mit der ganzen Schöpfung geschlossen wird. Die Nachrichten des Sommers 2026 erinnern an die Sintflutmetapher im ersten Buch der Bibel. Ich hielt etwas inne, um den tosenden Wasserfall zu betrachten. Immer wieder las ich zuletzt die Berichte über das Schmelzen der Gletscher und erlebte es auch, als wir in der Mitte des Sommers am Großvenediger waren. Die Gletscherschmelze hat ganz neue Dimensionen erreicht. In den Hitzewellen schmilzt das Eis rund um die Uhr bis zu den Gipfeln. Doch gilt zugleich: Die Welt muss nicht bleiben, wie sie ist, verheißt der bunte Bogen mit seinen Spektralfarben. Oben am Gletscher verbanden wir uns mit dem Seil. Kleine Bäche von Schmelzwasser rannen über das blanke Eis. Längst schützt kein Altschnee mehr die Eismassen vor dem Abschmelzen. Gräulich braun sind die meisten Flächen – und diese Farbmischung wird die Schmelze noch verstärken. Der göttliche Bogen bleibt mir in meinen Gedanken und meinem Herzen. Ich möchte mit meinem Leben, meinem Tun und Handeln, meinem Schreiben und Reden, meinen Möglichkeiten und in meinen Beziehungen regenbogenzentriert sein, was heißt: Nicht Teil jener Zerstörungskultur in den Tälern sein, die den menschengemachten Klimawandel befeuern und damit die Zerstörung der Gletscherwelten.

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