Über die Unfähigkeit einer sachlich geführten Diskussion über Religionen- und Ethikunterricht

Das von vielen Kolleginnen und Kollegen unterstützte Anliegen, eine Form eines Religionen- und Ethikunterrichtes zu finden, ist in den letzten Wochen von manchen Personen, die vehement für eine Trennung in konfessionellen Unterricht auf der einen Seite und Ethikunterricht auf der anderen Seite eintreten, nicht sachlich, sondern mit verletzenden Unterstellungen geführt worden.[1] Weil ich eine andere Position vertrete, wird „fehlender Respekt“ unterstellt. Wenn mit Sachargumenten für eine bestimmtes Modell eingetreten wird, heißt es verächtlich, man spiele sich als „Wahrheitsbesitzer“ auf. Zwar unterrichte ich schon viele Jahre und bin bereits drei Perioden als Vertreter der Berufsgemeinschaft für Religionslehrerinnen und Religionslehrer an den AHS tätig, dennoch wird mir Inkompetenz vorgehalten, da ich mich beispielsweise für den Bereich der Pflichtschulen gar nicht auskenne. Tatsächlich habe ich es aber auch in meinem Religionsunterricht vor allem mit Schülerinnen und Schülern zu tun, die aus den Neuen Mittelschulen kommen. Ihre schulische Welt ist mir nicht fremd. Ich würde, so eine weitere Kritik, meine eigene Religionsgemeinschaft verraten.

Weil mir eine Weiterentwicklung des Religionsunterrichtes als notwendig erscheint, habe ich beispielsweise versucht, vier Punkte aus dem TT-Leserbrief von Roman Spiss (10.2.2019) argumentativ aufzugreifen.[2] Es ging mir darum aufzuzeigen, dass mit einem Modell des Religionen- und Ethikunterrichts a) die Jobs von Religionslehrpersonen nicht gefährdet würden, sondern im Gegenteil aufgewertet werden könnten, dass b) Ethik und Religion nicht getrennt würden, dass c) die bildungspolitischen Zielsetzungen mehr Beachtung finden könnten und d) säkularistische Modelle wie jenes der NEOS nicht neuen Boden bekämen. Auch die Ausführungen von Peter Kügler habe ich entsprechend argumentativ beantwortet.[3]

Dankbar bin ich weiterhin Kolleginnen und Kollegen, die ausgehend von ihrer Praxis mit mir auf der Suche nach einem zukünftigen Religionen- und Ethikunterricht sind, ohne sich von den Anfeindungen von links und von rechts irritieren zu lassen.

Klaus Heidegger, 21.2.2019

[1]   Heidegger, Brief an Tirol, Tiroler Tageszeitung, 27.1.2019; Interview in der Tiroler Tageszeitung mit Peter Kügler vom 3.2.2019; Heidegger, Antwort auf Peter Kügler u.a. , 4.2.2019; Leserbrief von Roman Spiss vom 10.2.2019; Roman Spiss, Antwort an mich; Heidegger, Berger, Neuner, Leserbrief vom Sonntag, 17.2.2019.

[2] Heidegger Klaus (2019): Zur Diskussion über die künftige Gestaltung von Ethik- bzw. Religionsunterricht, in: http://www.klaus-heidegger.at/?p=3816

[3] Heidegger Klaus (2019): Von der Hegelschen „Aufhebung“ des konfessionellen Religionsunterrichtes, in: http://www.klaus-heidegger.at/?p=3798

Kommentare

  1. Zwar bin ich skeptisch betreffs der Verwirklichung v Klaus Heideggers Ideen – da regen sich in viel zu vielen archaische Ängste vor Kontroll- und Identitätsverlust – sie bieten m.E. aber einen gesellschaftlich notwendigen u die Würde der Religionen wahrenden Weg an, der gegenseitiges Verstehen ermöglichen u Religionen übergreifende Gemeinsamkeiten entdecken lassen könnte, verbunden mit entsprechenden Gemeinsamkeiten – u Unterschieden – im philosophischen Denken. Das wäre ein Beitrag zum Frieden, weil er dem Zerfall der Gesellschaft in Subkulturen u Parallelkulturen etwas entgegensetzen könnte. Schon die persönliche Begegnung im gegenseitigen Austausch, Vergleichen, Präzisieren u Entdecken von gemeinsamen Anliegen wäre etwas, das sonst nirgends in unserer Gesellschaft – unter jungen Menschen – stattfindet. Eine zumindest zu bestimmten – eventuell noch zu definierendeen Anlässen – gemeinsame Feierkultur könnte auch ein emotionales Band entstehen lassen, das auch nach der Schule erhalten bleibt.

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